Nun legte er beide Arme um ihren Leib, so sanft, so vorsichtig, als fürchtete er, sie zu erschrecken oder ihr weh zu thun.

»Dich glücklich machen,« sagte er.

Das Wort kam so aus der Tiefe eines von Liebe erfüllten Herzens hervor, daß das junge Mädchen unwillkürlich an seine Brust sank.

»Du guter Mann,« sagte sie. Ihre Augen suchten die seinen. Er hielt sie in den Armen, seine Hände strichen leise an ihren Seiten hinunter.

»Siehst du,« sagte er, »indem ich dich so halte, ist mir, als wäre der ganze liebe Körper und alles, was darinnen ist, ein Gefäß, ein zartes, zerbrechliches, und daß es so zerbrechlich ist, das ist gerade das Gute daran. Nun darf ich an nichts mehr denken, als daß es in meinen Händen nicht entzweigeht, und das gerade ist ja so gut. Siehst du, nun will ich in das Gefäß hineinthun alles, was der Mensch sich für den Menschen ausdenken kann an Gutem und Glücklichem. Und wenn wir da draußen auf meinem Gute leben, das nun auch dein Gut ist, wir beide ganz allein, jedesmal, wenn dann ein neuer Tag anbricht, will ich nach deinem lieben Gesichte sehen; und du brauchst mir nie zu sagen, daß du mich liebst, das verlange ich nicht, nur ob du glücklich bist, will ich in deinem Gesichte sehen, und wenn ich das sehe, siehst du, dann werde ich glücklich sein, glücklich, o – so glücklich.«

Seine Worte erstarben in einem tiefen leisen Flüstern. Sie hielt das Haupt gesenkt, als wollte sie lauschen und immer länger lauschen; als er schwieg, richtete sie sich auf und wiegte das Haupt und legte beide Arme um ihn her.

»Wie, soll ich dir denn nicht sagen, daß ich dich liebe,« sprach sie, und ihre Stimme war ruhig und fest geworden, »da ich dich jetzt schon liebe, von ganzer Seele, du teurer, du geliebter Mann.«

Sie hielten sich schweigend umschlungen, dann richtete sie sich auf.

»Komm,« sagte sie, »nun wollen wir den Onkel und die Tante rufen.«

Sie faßte ihn an der Hand und ging mit ihm an die Thür des Nebenzimmers, die sie öffnete. Die alten Leute traten heraus und blieben verblüfft stehen, als sie Anna Hand in Hand mit dem Baron gewahrten.