Er ging die Stufen vollends hinunter und schlug ihn auf die Schulter.
»Will dir eine Neuigkeit sagen, Johann, ich habe mich verlobt.«
Der Alte riß die Augen weit auf und wich zwei Schritte zurück; der Mund stand ihm halb offen.
»Das Fräulein – da oben, im zweiten Stock?« stotterte er.
»Jawohl, das Fräulein da oben, im zweiten Stock,« erwiderte gutlaunig der Baron. »Und nächster Tage ist die Hochzeit.«
Er wandte sich nach der Hausthür, und indem er ihm den Rücken drehte, konnte er nicht sehen, was der Johann hinter seinem Rücken für ein merkwürdiges Gesicht schnitt. Er warf einen wütenden, geradezu giftigen Blick nach der Treppe, die das Haus hinaufführte, dann glättete er mit dem Aermel seines Ueberrocks den Cylinderhut, den er noch in der Hand hielt, und während er das that, neigte er das Haupt, wie jemand, der sich plötzlich in eine schwere Notlage versetzt sieht und Mittel und Wege überdenkt, die nun zu ergreifen sind. Dann stülpte er den Hut mit einem Rucke auf, biß die Zähne aufeinander und folgte seinem Herrn. Die Hausthür fiel schmetternd zu, weil der Alte sie wütend ins Schloß geworfen hatte.
Am nächsten Tage ging bei Anna ein Brief ein.
Sie erhielt selten Briefe und zögerte ein Weilchen, den Umschlag zu öffnen. Die Handschrift war ihr nicht bekannt und sah so sonderbar aus; man hätte kaum sagen können, ob sie von einem gebildeten oder ungebildeten Menschen herrührte.
Endlich entschloß sie sich, und nun las sie folgende Zeilen:
»Haben Sie auch bedacht, was Sie thun? Sie wissen doch, daß der Mensch, mit dem Sie sich verlobt haben, ein Verrückter ist?«