»Und daß ich weiß, was gnädigem Herrn gut thut und gnädigem Herrn nicht gut – weil ich weiß, wie es steht.«

Der Baron trat einen halben Schritt zurück.

»Wie was steht?«

Jetzt richtete der Alte das gesenkte Haupt so weit auf, daß er einen schrägen, lauernden Blick in die Augen seines Herrn bohren konnte. Seine Stimme wurde dumpf und leise.

»Wie es – mit gnädigem Herrn steht.«

Das bleiche Gesicht des Barons wurde noch um eine Färbung bleicher, so daß es ganz weiß aussah, und in dem weißen Gesichte glühten die Augen auf. Ein Zittern durchlief seine Gestalt, seine Hände schlossen sich, er konnte keinen Laut hervorbringen. So standen sich die beiden Männer stumm gegenüber. Am Leibe des alten Johann regte sich keine Fiber, nur seine Augen hafteten stieren Blicks an dem Baron. Er sah ja, daß der Mann dort unmittelbar vor einem Ausbruche von Tollwut stand, und Tobsüchtige darf der Wärter nicht aus den Augen lassen.

Es dauerte geraume Zeit, bis daß der Baron seine Fassung einigermaßen zurückgewann. Seine Brust keuchte, indem er zu sprechen begann; die Worte kamen abgebrochen heraus.

»Johann – weil ich weiß – daß du es gut meinst – will ich dir verzeihen, was du – da eben gesagt hast. Aber, wenn du es noch einmal thust, dann nimm dich in acht!« Er hob den rechten Arm mit geballter Faust empor. »Nimm dich in acht!« wiederholte er, »nimm dich in acht!«

Seine Stimme war immer lauter angeschwollen, so daß sie zuletzt beinahe brüllend geworden war. Sein Körper schüttelte sich wie im Krampf. Dann plötzlich ließ er den erhobenen Arm sinken, warf sich stöhnend in einen Sessel und legte beide Arme auf die Lehne, das Gesicht auf die Arme drückend.

Regungslos stand der Alte; in seinen Augen war etwas, wie ein wilder Triumph, indem er auf seinen Herrn niederblickte. Wer hatte nun recht gehabt? War der Mann da, der unglückselige, etwa kein Wahnsinniger?