Kaum daß er das gesagt hatte, warf er jedoch den Pelz, den er immer noch in Händen hielt, über den nächsten Stuhl und zog sich eilends nach der Thür zurück. Der Baron hatte den schweren gepolsterten Sessel mit beiden Händen an der Lehne gepackt und mit einer Kraft, wie sie nur der Paroxismus verleiht, emporgeschwungen. Es sah aus, als wollte er den Alten im nächsten Moment zu Boden schmettern. Mit einer hurtigen Bewegung riß dieser die Thür auf und verschwand.

Eine halbe Stunde später, während er lautlos horchend in seinem Zimmer gesessen hatte, vernahm er, wie der Baron aus seinen Gemächern trat und mit schweren Schritten die Wohnung verließ. Er eilte an eines der nach der Straße gehenden Fenster und blickte ihm nach. Richtig – die gewohnte Richtung, er ging zu seiner Braut. Also doch!

Der Alte kehrte in sein Zimmer zurück, warf die Mappe auf den Tisch und gleich darauf saß er wieder vor seinen Briefbogen. Heute knirschte das Papier unter seiner kratzenden Feder; seine Augen brannten, und die Muskeln seines Gesichts spannten sich zu einem Ausdruck grimmiger Verbissenheit, indem er schrieb.

Am Abende des Tages erhielt Anna von Glassner folgenden Brief:

»Zum letztenmal werden Sie gewarnt! Sie ruinieren ihn und gehen in Ihr Verderben! Heute war der unglückselige Mensch dicht daran, daß er seinen Wärter und treuesten Begleiter totgeschlagen hätte.

Wer Augen hat, zu sehen, der sehe!!!

Der Pflichterfüller.«

Scheinbar beruhigt war der Baron von Anna hinweggegangen, in seinem Innern aber saß die Erinnerung an das, was er mit dem alten Johann erlebt hatte. Und diese Erinnerung war wie ein gärender Keim in seinem Blute, sie ließ ihn nicht mehr zur Ruhe kommen.

Es erging ihm, wie es dem Menschen geht, wenn er sich mit einem andern gestritten hat. Im Augenblick, da uns der Gegner seine Behauptung ins Gesicht wirft und wir sie ihm leidenschaftlich zurückschleudern, sind wir darüber hinweg – nachher, wenn die Leidenschaft verraucht ist, kommt das Wort uns wieder, leise, schleichend und in seiner Geräuschlosigkeit eindringlicher als vorher, und nun kommt das Grübeln, ob das Wort nicht vielleicht doch recht gehabt haben könnte.

»Ich weiß, wie es mit gnädigem Herrn steht« – immer wieder war es da, das Wort, immerfort und immerfort, wie der Wassertropfen, der unablässig auf den Kopf des Gefolterten fällt. Und indem es in seinem Ohre nachklang, war ihm, als käme das Ungetüm wieder herangeschwommen, von dem er Anna erzählt hatte, als höbe es die gräßlichen grünen Augen wieder auf, und das, was aus diesen Augen sprach, war ja nichts andres als das: »Ich weiß, wie es mit dir steht.«