Er hatte ihn von seinem Vater ererbt und es bisher wie eine Art von Naturnotwendigkeit empfunden, ihn fortwährend um sich zu haben. An dem Tage zum erstenmal erhob sich eine Stimme in ihm, die ihm zurief: »Schick' ihn fort!« Er würde ihm natürlich eine für seine alten Tage ausreichende, ja eine glänzende Pension zahlen, aber er wollte ihn los sein.

Als er dann aber zu Anna gekommen war, und diese für den Alten gebeten hatte, war sein Entschluß wieder schwankend geworden. Er war sich nun wieder bewußt geworden, daß er gegen den ausdrücklichen letzten Willen seines Vaters handeln würde, wenn er so thäte, und er sagte sich, daß er es doch gewesen war, der durch seine Heftigkeit den widerwärtigen Auftritt verschuldet hatte. Kampf mit sich selbst, das war ja nun einmal die Aufgabe, die ihm vom Schicksal auferlegt worden war, und dazu gehörte, daß er auch den Widerwillen, den unheimlichen, niederkämpfte, der sich in ihm gegen den Alten zu regen begann.

Also schwieg er; der alte Johann schwieg auch, und äußerlich schien es, als wäre alles, wie es früher und immer gewesen war.

Jetzt, am Tage, bevor er mit Anna hinauszufahren beschlossen hatte, befahl der Baron dem Alten, vorauszufahren und das Schloß einigermaßen zum Empfange vorzubereiten. Die Zimmer sollten gelüftet, in den Oefen und Kaminen sollten Feuer angezündet werden. In den Wegen des Parks, die vom Tauwetter jedenfalls aufgeweicht sein würden, hieß er ihn Sand aufschütten und an besonders morastigen Stellen Bretter legen. Endlich sollte für ein Frühstück gesorgt werden.

Alle diese Weisungen erteilte der Baron in kurzem, bestimmtem Tone; der alte Johann nahm sie mit schweigender Unterwürfigkeit entgegen; er war in diesem Augenblick nichts weiter, als der demütige, gehorsame Knecht.

Ein grauer, nasser Himmel lag über der Erde, als der Baron am nächsten Morgen mit seinem Wagen bei Anna von Glassner vorfuhr, um sie zum Bahnhofe abzuholen.

Als er bei ihr eintrat, stand sie schon reisefertig in ihrem grauen Reisemantel da. Lächelnd wickelte er einen Gegenstand, den er in Händen trug, aus dem umhüllenden Papier; es war ein Paar nagelneuer, mit Pelz gefütterter Gummischuhe.

»Das ist kein Schmuck,« sagte er, »das darfst du annehmen, und im Park draußen wird es feucht sein.«

Sie sah ihm dankbar ins Gesicht.

»Auch an so etwas denkst du?«