»Du mußt nicht erschrecken,« sagte der Baron, als er in Annas Zügen den Eindruck wahrnahm, den die düstere Behausung in ihr hervorrief, »es ist ein altes Komtureigebäude, daher ist es so alt und sieht so finster aus.«
»Aber weißt du,« erwiderte sie, indem sie sich in seinen dargebotenen Arm hing, »wenn du es mit frischer Farbe anstreichen ließest, würde es gewiß viel freundlicher aussehen.«
Er nickte zufrieden.
»Siehst du,« sagte er, »das ist gleich ein vortrefflicher Gedanke. Ich merke schon, es kommt mit dir ein neuer Geist ins alte Haus.«
Er führte sie darauf durch eine Halle, die vom Garten nach dem Hofe hindurchging, und als Anna, mit offenem Munde, stehen bleiben und den großen, seltsam ausgeschmückten Raum bewundern wollte, zog er sie weiter.
»Komm,« mahnte er, »es ist kalt hier drin.«
In dem schwachen Lichte, das durch enge Fenster hereinfiel, hatte sie nur soviel sehen können, daß die Wände von oben bis unten mit Jagdtrophäen und Jagdgeräten behangen waren. Hirschgeweihe, Wildschweinsköpfe und Köpfe von Elentieren, mit lang herabhängenden Schnauzen, ragten aus den Mauern hervor; das Jagdgerät und die Waffen schienen uralt zu sein; ein riesiger Kamin, in dem kein Feuer brannte, befand sich in der einen Wand.
Sie traten auf den Hof hinaus, den auf der einen Seite das Schloß, auf der andern ein Wirtschaftsgebäude umgab, und hier öffnete sich das Thor, das zu den oberen Räumen führte.
Durch einen Vorflur, dessen Boden mit Steinfliesen belegt war, und wo rechts und links zwei alte große Bilder an den Wänden hingen, Pferde in Lebensgröße darstellend, die von Stallknechten in der Kleidung des siebzehnten Jahrhunderts geführt wurden, gelangte man an die Treppe.
Es war eine Stiege von altem dunklen Eichenholz, mit so flachen Stufen, daß man das Steigen kaum gewahr wurde. Schwere Geländer liefen zu beiden Seiten hinauf.