Die Räume waren, wie man das in alten Häusern findet, launenhaft unsymmetrisch gebaut; bald in Form von langen, schmalen Gängen, bald zu tiefen Gelassen ausgeweitet.

Allen gemeinsam aber war die reiche Pracht der Ausstattung. Ein altertümlicher schwerer Prunk herrschte in dem Mobiliar. Tiefrückige Sofas, mit vergoldeten, in Löwenköpfen auslaufenden Armlehnen; Lehnstühle von schwarzem Ebenholz; dazwischen, einer jüngeren Epoche entstammend, kleine Stühle von zartem, vergoldetem Holz und Rohrgeflecht. Dunkelroter Sammet in dem einen, dunkelblauer Sammet in dem nächsten Zimmer, dann wieder Polster von goldgepreßtem Seidenstoff. An den Wänden große Spiegel in massiv goldenen oder silbernen Rahmen und eine Fülle von Bildern. Unter diesen, die sämtlich von älteren Meistern herrührten, vielfach hervorragende Werke; wie denn überhaupt die ganze Ausschmückung der Räume den Eindruck erweckte, daß ein hochentwickelter Kunst- und Schönheitssinn zur geistigen Erbschaft der Fahrenwalds gehörte.

Am liebsten wäre Anna vor jedem einzelnen Bilde stehen geblieben; aber dann hätte sie bis zum Abend stehen können, und heut abend wollten sie doch wieder in Breslau zurück sein. Darum ließ sie sich von ihrem Begleiter weiterführen, und nur in einem der Gemächer machte sie unwillkürlich vor den Gemälden Halt.

Es war dies ein gangartiger Raum, ungefähr wie eine Galerie. Auf der Tapete von dickem purpurrot gefärbten Leder hing eine Reihe von Porträts, Männer und Frauen darstellend, offenbar die hauptsächlichen Vertreter des Geschlechts.

Aus dem sechzehnten Jahrhundert kamen sie hervor und gingen bis in die Neuzeit, eine gemalte Chronik der wandelnden Tracht und Kultur.

Die Augen des jungen Weibes hafteten an den Kleidungen, daneben aber beschäftigte es sie, den stark hervortretenden Zug von Familienähnlichkeit wahrzunehmen, der die Gesichter innerlich verband. Lauter edle, fein ausgearbeitete Physiognomieen, mit bleichen Zügen und dunklen, schwermütigen Augen, eine Reihe von Menschen, von denen der vorhergehende immer dem nachfolgenden die schwere Bürde des Lebens auf die Schultern zu legen schien, froh, daß er sie nicht länger zu schleppen brauchte.

Annas Blicke gingen zu Eberhard hinüber, dem letzten Fahrenwald, der mit offenbarer Ungeduld an der Thür zum nächsten Zimmer ihrer wartete, und sie stellte fest, daß sein Aeußeres ihn als echten Nachkommen seiner Vorfahren verkündete.

Als sie seine Ungeduld bemerkte, riß sie sich los, um ihm zu folgen, an der Thür zum Nebenzimmer aber hing ein Bild, das ihre Schritte wider ihren Willen bannte.

Ein alter, weißhaariger Mann, in langem schwarzen Rock, über den am Halse ein breiter, spanischer Spitzenkragen fiel, saß an einem Tische, auf dem sich Phiolen, Retorten und all die Geräte befanden, wie sie vor Zeiten die Alchimisten gebraucht hatten.

Das aber, was den Beschauer an das Bild fesselte, waren die Augen des alten Mannes; diese Augen waren schrecklich. Stier und starr, mit einer Wut im Ausdruck, die lebendig geblieben zu sein schien, nachdem der Körper des Mannes längst im Grabe zerfallen war, bohrten sie aus der Leinwand hervor.