Er faßte nach ihrer Hand; ihre Hand war eiskalt.

»Ist dir unwohl?« wiederholte er hastig seine Frage.

Sie schüttelte den Kopf. Von der Stuhllehne, an die sie zurückgesunken war, richtete sie sich gewaltsam auf. Sie drückte seine Hand, als wollte sie ihn beruhigen.

»Nein, nein, nein,« erwiderte sie. Ihre Stimme war gepreßt, ihre Augen gingen zu den Büchern hinüber und von den Büchern in irgend eine Ecke. Es war, als flüchteten sie sich, als wüßten sie nicht mehr, wo sie hinblicken sollten. Aufzuschauen wagte sie nicht, denn da stand ja der Alte; den Baron anzuschauen vermochte sie auch nicht, denn sie spürte, wie die wilde Unruhe in sein Gesicht zurückkehrte. Der seltsame Raum, in dem sie sich befand, die fremdartigen Tiergestalten in den geschnitzten Palmen – es war, als wenn das alles zu einem lautlosen, unheimlichen, gespenstischen Leben erwachte, als wenn es wirklich ein verwunschenes und verzaubertes Haus sei, in das sie sich tollkühn hineingewagt hatte, und aus dem es nun kein Entrinnen mehr gab. Eine betäubende Angst legte sich auf sie, es war ihr zu Mute, als würde ihr eine schwere bleierne Haube über den Kopf gezogen.

Jählings stand sie auf.

»Ach, weißt du,« sagte sie mit taumelnder Stimme, »ich glaube, wir möchten nach Haus fahren – ich glaube, es wird Zeit.«

Mit einem Sprunge war er neben ihr; er hatte gesehen, wie sie wankte; er schlang den Arm um sie; mit lastender Wucht lehnte sie an seiner Schulter.

»Der Wagen soll vorfahren!« herrschte er dem Alten zu.

Sobald dieser hinaus war, beugte er sich zu ihr.

»Was ist dir?« forschte er voller Besorgnis, »ist dir etwas geschehen? Hat dir jemand etwas gethan?«