Sie suchte mit den Augen umher – der Alte war fort. Ihre Lippen bewegten sich lallend.
»Er – ich weiß nicht, was ich ihm gethan habe – hat mich so schrecklich angesehen.«
»Der Johann?«
Sie drückte das Gesicht an seine Brust.
»Um Gottes willen bleib ruhig,« bat sie. Schon hörte sie, wie die steigende Flut in seiner Brust wieder zu rauschen begann; schon fühlte sie, wie der Griff seiner Hand, mit der er sie umschlungen hielt, wieder eisern wurde.
»Ich schicke ihn fort!« knirschte er.
»Nein,« flehte sie, »nicht um meinetwillen!«
»Ich jage ihn fort!« wiederholte er drohend.
Sie waren, indem er das sagte, auf den Flur hinausgetreten; er hatte so laut gesprochen, daß seine Worte durch den ganzen Treppenraum hallten. Am Fuße der Treppe stand der alte Johann; er hatte hören müssen, was der Baron eben gesagt hatte. Und nun begab sich etwas Unerhörtes.
Indem der Baron mit Anna die Treppe hinabzusteigen begann, knickte der Alte da unten in die Kniee und fiel zu Boden, beide Hände nach oben ausgestreckt. Das Haar hing ihm wirr übers Gesicht, seine Augen waren ganz rot; seine Brust arbeitete und sein Mund war weit offen. Aber er brachte nichts hervor, als ein dumpfes Keuchen; mit plattem Leibe warf er sich auf die Treppe, so daß sein grauer Kopf auf den Stufen lag.