»Jesus, Gottes Sohn –« stammelte Anna, indem sie, von Grausen gepackt, den Arm ihres Begleiters umklammerte und ihn zum Stillstehen zwang.
Jetzt fing der Alte mit dumpfer, heulender Stimme an: »Gnädiger Herr wollen mich fortjagen – und ich habe gnädigen Herrn auf den Armen getragen – und ich bin immer mit gnädigem Herrn gewesen – und habe immer nichts andres gedacht, als was gnädigem Herrn gut wäre und gesund – und gnädiger Herr wollen mich fortjagen –«
Annas Hand krallte sich in den Arm ihres Bräutigams, sie wußte kaum mehr, was sie that; sie fühlte, wie die Ohnmacht ihre Augen zu verdunkeln begann.
»Sag ihm, daß du ihn behältst,« raunte sie mit fliegendem Atem; »wenn du mich lieb hast, sag ihm, daß du ihn behältst!«
Der Baron strich mit leiser Hand über ihr glatt gescheiteltes Haar; die Ruhe war ihm zurückgekehrt.
»Steh auf, Johann,« sagte er, »du sollst bleiben, ich jage dich nicht fort.«
Schwerfällig raffte sich der alte Mann auf und trat an den Fuß der Treppe zurück. Er blickte nicht auf, seine Arme hingen herab, mit der rechten Hand wischte er den Treppenstaub von seinem Rock.
»Und hier, bei dem gnädigen Fräulein bedanke dich,« fuhr der Baron fort, indem er mit Anna bei ihm vorüberschritt, »küß ihr die Hand, sie hat für dich gebeten.«
Knechtisch gebeugten Hauptes trat der Alte auf Anna zu, um ihr die Hand zu küssen. Solcher Bezeigungen ungewohnt, wollte Anna es nicht dulden. Der Baron stieß sie heimlich an.