Nun überließ sie ihm ihre Hand, die der Diener, ohne die Augen zu erheben, an den Mund führte.

Indem sie die gebrochene Gestalt vor sich sah, überkam sie ein wahres Jammergefühl. Unwillkürlich drückte sie seine Hand.

»Das alles wird vorübergehen,« sagte sie mit wohlwollendem Trost, »ich weiß ja, wie treu Sie dem Herrn Baron immer gewesen sind, und das sollen Sie auch in Zukunft bleiben, und dann werden wir ganz gewiß gute Freunde werden, ganz gewiß.«

Sie vermochte nicht zu erkennen, welche Wirkung ihre Worte auf den Alten hervorbrachten; ohne aufzublicken, zog er sich zurück, und gebeugten Hauptes blieb er stehen, bis Anna mit ihrem Begleiter auf den Hof hinausgetreten war. Sie stiegen ein; der Wagen rollte ab, und als das Schloß hinter ihnen lag, fühlte Anna es wie eine Erleichterung. Aus dem Bereiche der Gespenster und Dämonen kehrte sie zu den Menschen zurück.

Von den Aufregungen erschöpft, die sie durchlebt hatte, lehnte sie blaß und schweigend in der Wagenecke; der Baron saß gleichfalls mit seinen Gedanken beschäftigt; so kamen sie auf der Bahnstation an, und als der Abend einbrach, waren sie wieder in Breslau.

In seinem Coupé brachte er sie zu ihrer Wohnung; im Hausflur nahmen sie Abschied voneinander.

»Du siehst so müde aus,« sagte er, indem er sie in die Arme nahm. »Wirst du auch gut schlafen?«

Sie nickte stumm.

Er stand noch immer und hielt sie umschlungen; sie fühlte, wie schwer es ihm wurde, von ihr zu gehen. Es war, als wenn er noch eines guten Wortes, eines Trostes bedürfte. Sie nahm sich zusammen und sah ihn freundlich lächelnd an.

»Ich werde gut schlafen,« versicherte sie, »sei ganz unbesorgt, und morgen holst du mich ab, damit wir uns die Tapeten ansehen.«