Es war ihr, als stände er vor ihr und sähe sie an mit den schwermütigen, bittenden Augen, als hätte er in ihrem Herzen die Gedanken gelesen, die ihm die Treue gebrochen hatten, und als müßte sie ihm abbitten, alles was sie gedacht.
»Nein, nein, nein, ich will dich nicht verlassen! Furcht und Feigheit sollen nicht stärker sein in mir, als die Liebe in deinem gütigen, geliebten Herzen! Was auch das Leben bringen mag, an deiner Seite will ich ihm entgegengehen – das will ich – ja.« Und während ihre Lippen noch das beteuernde »ja« sprachen, sank ihr Köpfchen in die Kissen zurück, und sanft und ruhig schlief sie ein.
Am nächsten Vormittage, seinem Versprechen getreu, erschien der Baron, um Anna abzuholen.
Bei drei Tapetenhandlungen fuhr man vor, und alle drei Lager wurden von oben bis unten durchstöbert, bis man das Muster gefunden hatte, das für die beiden Zimmer als das passendste erschien; eine weiße Tapete mit blaugoldenen Frucht- und Blumenstücken für das Wohngemach, eine himmelblaue für das Schlafzimmer; beide das Lieblichste, Freundlichste, was man sich denken konnte. Anna war ganz erschöpft, der Baron zeigte keine Spur von Müdigkeit.
»Jetzt,« meinte er, »sollten wir gleich noch an die Möbel denken.«
Anna verweigerte lachend den Gehorsam.
»Morgen,« sagte sie, »das hat Zeit bis morgen.«
»Gut, so wollen wir jetzt aber frühstücken.«
Es half ihr nichts, daß sie auf das nah bevorstehende Mittagessen verwies.
»Ach was, dein Onkel und deine Tante können auch ohne dich essen.«