»Aber Eberhard,« erwiderte sie leise, »für seine Ausstattung muß doch ein jedes Mädchen selbst sorgen!«
Indem sie das aber sagte, fragte sie sich im stillen, wer denn ihre Ausstattung besorgen sollte. Der Onkel und die Tante etwa? Oder sie selbst, aus ihrem eigenen Vermögen? Ja, wo war denn ihr eigenes Vermögen?
»Nein, siehst du,« nahm er wieder eifrig auf, »das ist mit uns etwas ganz andres. Das hab' ich dir ja gesagt, daß du das Licht in meinem Leben bist, und ein Licht, siehst du, das muß man sich selbst anzünden. Und sein Glück muß man sich selbst erschaffen, wenn's ein echtes Glück sein soll und einem Kraft und Mut verleihen soll. Und darum, verstehst du, wenn ich dich so von Kopf bis zu den Füßen einkleide in Stoffe, die ich dir geschenkt habe, dann wird mir zu Mute sein, als hätte ich mir die ganze geliebte Gestalt, die dann vor mir steht, selber erschaffen, und das wird mir dann eine solche Kraft und Wonne und Seligkeit verleihen, und das wirst du mir nicht verweigern. Nicht wahr? Nicht wahr?«
Sie vermochte nichts zu erwidern. Anfänglich, als sie nur Mitleid mit dem Mann gefühlt hatte, der um ihre Liebe flehte, war nur ihre Seele wach gewesen; jetzt, da er stark und fröhlich war und sie am lebendig klopfenden Herzen hielt, waren auch ihre Sinne erwacht. Sie hatte angefangen, sich in ihn zu verlieben, und in dem großen Strome des süßen, unbestimmten Gefühls trieb sie willenlos dem Manne zu. Sie drückte ihr erglühendes Gesicht an seinen Hals.
»Thu, wie du willst,« flüsterte sie.
Und nun war es, als wären alle diese Besorgungen nur Vorbereitungen für das Eigentliche und Wahre gewesen.
Die Seidenwarenlager wurden förmlich geplündert, und als sie damit fertig waren, wollte er sie in Wäschehandlungen führen. Dem aber widersetzte sie sich.
»Ich müßte mich ja zu Tode schämen, wenn mich ein Mann dabei begleitete.«
Er fügte sich ihrem Willen. Aber sie mußte versprechen, daß sie sich das schönste Linnen, die zartesten seidenen Strümpfe und das zierlichste Schuhwerk kaufen wollte. Die Rechnungen sollten auf ihren Namen geschrieben werden, er würde sie bei ihr abholen und alles abmachen.
Wenn sie nicht gewußt hätte, daß er reich war, so hätte sie ihn für einen rasenden Verschwender halten müssen.