»Nein!« rief sie, »faß mich nicht an! Du sollst mich nicht mehr anfassen! Ich weiß gar nicht, wie du bist!«

Sie sprach aus, was sie empfand; sie konnte sich in der That die Art des Mannes nicht erklären. Das war ja gewesen, als wenn ein wildes Tier sich über sie gestürzt hätte.

Bei der zornigen Bewegung, mit der sie ihm den Schuh entrissen hatte, war er einen Schritt zurückgewichen; jetzt stand er wie zerschmettert da.

»Aber Anna,« fing er wieder an, »bist du mir denn böse, daß ich dich so liebe?«

Sie warf den Leib herum und heftete die verweinten Augen auf ihn.

»Liebe?« sagte sie zornig, »ist das Liebe, wenn man jemand so anfaßt? so behandelt? Faßt man eine Frau so an?«

Sie blickte an sich herab und strich mit bebender Hand das zerknitterte und zerdrückte Kleid glatt, dann schlüpfte sie wieder in den Schuh, und als sie den Fuß aufsetzte, stampfte sie beinah auf.

»Du hast keine Achtung vor mir,« fuhr sie fort, »du denkst, weil du mir all die schönen Sachen geschenkt hast, die ich da trage, ich gehöre dir, und du kannst mit mir machen, was dir beliebt! Und darum gehst du so mit mir um – und behandelst mich wie – wie –« sie wollte von neuem in Thränen ausbrechen, aber sie kam nicht dazu. Indem sie die letzten Worte dem Baron ins Gesicht schleuderte, sah sie, wie seine Gestalt zusammenzuckte, als wenn ein Stich ihm mitten durch den Leib gegangen wäre.

»Anna –« sagte er schweren Tones, »das kannst du von mir denken?«

Er war langsam in die Kniee gesunken, seine Augen waren den ihrigen nah gegenüber, und indem sie das namenlose Leid in seinen Augen gewahrte, fühlte sie, daß sie dem Manne mit häßlichen Gedanken ein häßliches Unrecht angethan hatte.