»Nein, Eberhard,« sagte sie, »was ich da eben gesagt habe, das war nicht recht; ich fühl's, das war häßlich; und ich bitte dich um Vergebung dafür.«

Nun legte er auch seinerseits die Arme um sie, aber so leise, als fürchtete er, sie zu zerbrechen, und ihr Köpfchen lag wieder an seinem Halse.

»Aber siehst du,« fuhr sie zagend fort, »wenn du so bist, wie vorhin, so wild, so – ich weiß gar nicht, wie ich's nennen soll – dann verstehe ich dich nicht, und dann – siehst du – muß ich mich ja vor dir fürchten.«

Sie hatte das letzte ganz leise, wie eine Beichte, ihm ins Ohr geflüstert, und wie eine solche nahm er es auf. Aber nicht ihre Schuld war es, die sie ihm beichtete, es war die seine, seine Schuld, der er nicht geachtet hatte auf die Scham, auf die Angst des lieben, vertrauenden Geschöpfes, der er nahe daran gewesen war, das Wesen, das ihm Leben und Seligkeit bedeutete, in seinen wahnwitzigen Armen zu zertrümmern, wie ein Knabe, der eine unersetzliche Kostbarkeit mit thörichten Händen zerstört.

Von dem allen hatte er nichts gefühlt – das alles kam ihm jetzt zum Bewußtsein.

Ein peinvoller Gram lagerte sich auf seinen Zügen, mit leiser Hand schob er Anna von sich hinweg.

»Armer Engel,« sagte er dumpf und schwer.

Dann erhob er sich, trat von ihr hinweg, und mitten im Zimmer, den Kopf nachdenklich gesenkt, blieb er stehen.

Eine schweigende Pause trat ein, und als sich Anna nach ihm umwandte, sah sie ihn noch immer, in düsteres Sinnen verloren, an seinem Platze. Ein Schatten überwölkte sein Gesicht; man sah ihm an, wie er mit den finsteren Gewalten Zwiesprache hielt, die in seinem Innern emporstiegen.

»Eberhard,« rief sie ihn an, »warum gehst du von mir fort?«