Es war, als wenn er aus seinem Brüten erwachte. Langsam kam er zu ihr zurück. Er schob einen Sessel neben den Stuhl, auf dem sie saß, ließ sich nieder und verharrte dann abermals, den Blick zu Boden gesenkt, in langem Schweigen. Endlich rückte er sich dichter an ihre Seite, aber ohne aufzusehen, ohne sie zu berühren.

»Anna,« sagte er, »ich muß dir etwas anvertrauen.«

Wieder stockte er – das Bekenntnis wurde ihm schwer. Er nahm ihre Hand in seine Hand.

»Anna – ich hatte bis heute noch nie eine Frau berührt – heute war es das erste Mal – und du bist die erste gewesen, die ich geküßt habe.«

Sie drückte leise seine Hand.

»Aber du hattest mich doch schon vorher geküßt.« –

»Ja,« versetzte er, und eine dunkle Röte färbte sein Gesicht, »aber es war mir noch nie so zu Mute gewesen, wie heute. Damals, siehst du, war es noch weit bis zu unsrer Hochzeit, und jetzt steht es nahe vor der Thür, daß wir heiraten. Und darum – siehst du – als ich vorhin zu dir hereintrat, war mir doch in dem Augenblick, als wäre es schon so weit und wir wären schon Mann und Frau. Und wie ich dich nun so stehen sah – siehst du – da überkam mich etwas –«

Er verstummte, sein Oberleib bog sich vornüber, als läge eine Centnerlast auf seinem Rücken, langsam glitt er vom Stuhle, ihr zu Füßen, und seiner Gewohnheit nach drückte er das Gesicht in ihren Schoß.

»Ich kann's dir ja nicht beschreiben,« murmelte er, »was es war; und ich kann dich ja nur anflehen, daß du mir verzeihst; und wenn du jetzt den Fuß aufhöbest und mich trätest, so geschähe mir ja nur recht; aber siehst du, ich konnte nicht anders, und es war etwas so Wundervolles, so rasend göttlich Herrliches, Himmlisches –«

Er hatte beide Arme um ihre Kniee geschlungen und preßte ihre Kniee aneinander, als wollte er sie zermalmen.