Es sah aus, als spräche er mit irgend einem Unsichtbaren. Anna blickte sprachlos zu ihm hinüber, sie wagte nicht zu fragen, mit wem er sich unterhielt.

Er ließ die Arme sinken und wandte sich um. Als er ihren entsetzten Blick gewahrte, kam er auf sie zu.

»Aengstige dich nicht,« sagte er, »ich habe es in der Gewohnheit, manchmal laut zu denken.«

Er war völlig beruhigt, seine Stimme klang sicher und fest.

Sie schöpfte wieder Mut.

»Was dachtest du denn?« fragte sie, zärtlich an ihn geschmiegt.

»Ich habe mir das Versprechen gegeben,« erwiderte er, »daß mir das nie wieder begegnen soll. Das, was ich dir vorhin erzählt habe, ist in mir gewesen, ja. Aber es ist gewesen, verstehst du, und nun ist es nicht mehr da. Nun kommt es nicht wieder, das verspreche ich mir, das verspreche ich dir! Niemals!«

Er hatte den Arm um sie gelegt, er stand neben ihr, stark und gesund, wie einer, der Herr seiner selbst ist, wie ein ganzer Mann.

»Siehst du,« fuhr er fort, »ich habe dir kein Hehl gemacht über meine Schwäche, darum darfst du mir glauben, was ich dir jetzt sage: ich liebe dich, Anna. Ich liebe dich so unsäglich, daß der Gedanke, es könnte dir ein Leid geschehen, mich umbringt und vernichtet. Glaubst du mir das?«

Er blickte auf sie nieder; ein Strom von tiefem, warmem Gefühl floß über sie hin; aus allen Schatten und Wolken, die unverständlich, unbegreiflich und unberechenbar in dieses Menschen Seele wogten, tauchte immer wieder das edle, herrliche Herz wie ein leuchtender Stern empor.