»Ja, Eberhard,« versetzte sie, »das glaube ich dir so sicher, daß ich es weiß.«
Sie legte die Arme um ihn und drückte die Lippen auf seine Brust.
»Wo solch ein Herz ist,« sagte sie, »da ist ja alles andre ganz gleichgültig. Darum glaube auch du mir, was ich dir sage: ich fürchte mich nicht vor dir, Eberhard, gar nicht. Ich liebe dich, Eberhard, wie nur eine Frau einen Mann lieben kann.«
Er küßte sie auf den Scheitel, und die Berührung seiner Lippen war wie ein Hauch. Man fühlte, wie er nur seiner Seele noch Zutritt zur Geliebten gestatten wollte und seinen Sinnen Einhalt gebot. Und so kam nach der Erregung, die vorangegangen war, eine Stunde so tiefer Ruhe für die beiden Menschen, wie sie sie kaum je zuvor genossen hatten.
Als er dann aber von ihr ging und die Thür hinter sich geschlossen hatte, so daß Anna ihn nicht mehr sah, schwellte ein Seufzer seine Brust – der schwere Seufzer der Entsagung.
Inzwischen war es Mai geworden, und der Frühling hielt seinen siegprangenden Einzug.
Eines Tages, als der Baron vom Schlosse draußen hereinkam, brachte er Anna die Kunde mit, daß auch im Fahrenwalder Parke der Lenz eingekehrt sei, daß die Kastanien blühten und der Flieder.
»Auch in deinen Zimmern im Schlosse selbst,« sagte er, »ist es Frühling geworden; sie sehen aus, wie zwei junge fröhliche Augen in einem alten Gesicht – die Einrichtung ist fertig – wenn du nun willst, so ist die Zeit gekommen, daß Frau von Fahrenwald ihr Reich betritt – willst du?«
Sie wollte.
Er hatte ihr seine Mitteilungen leise und beinahe feierlich gemacht, wie jemand, der an eine große Entscheidung herantritt. In derselben Art hatte Anna sie hingenommen. Die Vorbereitungen zum neuen Dasein waren vollbracht, nun kam das neue Dasein selbst; durch dunkle und helle Stunden war sie hindurchgegangen, nun sollte es sich entscheiden, ob ihr Leben fortan ein großes Licht oder ein großes Dunkel sein würde. Ein Schauer ging über ihr Herz – aber ihr Entschluß war gefaßt, sie wollte. –