In verborgenster Stille, beinahe verschwiegen, fand die Hochzeit statt.

Der standesamtlichen Trauung folgte eine kirchliche Einsegnung im Hause, wo Anna bei dem Onkel und der Tante gewohnt hatte. Anna fühlte kein Bedürfnis, sich in einer Kirche öffentlich zur Schau zu stellen und die klatschsüchtige Neugier zu Gast dazu zu laden.

Ihr Gesicht war kaum minder weiß, als das weiße Brautkleid, in dem sie erschien; als sie, mit dem Myrtenkranze im Haare, vor dem Geistlichen kniete und ihre Hand in die Hand des Bräutigams legte, mochte mancher von den wenigen Trauzeugen für sich denken: »Ein Opfer, das zum Altar geführt wird.«

Blaß, schweigsam, mit einem Ausdruck unergründlichen Ernstes in den Zügen, stand Eberhard von Fahrenwald an ihrer Seite.

Ein leises Mittagsmahl, dem nur wenige Gäste anwohnten, schloß die Feierlichkeit ab. Reden wurden nicht gehalten; es lag wie ein Gewölk über der Versammlung. Bei jeder Hochzeit steht man wie vor einem geschlossenen Vorhang. Hier aber war der Vorhang von dunkler Farbe und geheimnisvolle Zeichen waren in ihn verwebt.

Nachdem die Tafel aufgehoben war, kehrte Anna zum letztenmal dahin zurück, wo sie als Mädchen gewohnt hatte. In aller Stille wollten sie beide am Nachmittage nach Fahrenwald hinaus fahren. Koffer und Kisten waren schon am Tage vorher vorausgegangen.

Nachdem sie den Brautstaat abgelegt und das Reisekleid angethan hatte, erschien ihr Gemahl, um sie abzuholen. Bald darauf saßen sie im Eisenbahnwagen, und wieder einige Zeit darauf stampften die Rosse vor dem Wagen, der sie zum Schlosse hinaustragen sollte – heute für immer.

Wie anders, wie viel schöner sah sich heut alles an, als damals, da sie zum erstenmal diesen Weg gefahren war. Der reiche Ackerboden, der so lange unter Schnee und Regen begraben gelegen hatte, kochte förmlich von Fruchtbarkeit; die jungen Saaten schossen empor, daß es aussah, als wollte ein Feld das andre im Wachstum überbieten; die Sonne, die sich zum Untergange neigte, warf lange, warme, rotgoldene Lichter über das junge samtartige Grün.

Heute brauchte man keine Fußsäcke und keine Decken. Schweigend, Hand in Hand, saßen Anna und der Baron in ihrem Wagen, mit stillen Augen hinausblickend in das stille Land, die Wangen von der linden Abendluft umspielt, den Duft einatmend, der aus der frühlingsfeuchten Erde emporstieg.

Die Dorfbewohnerschaft hatte das junge Paar mit schmetternder Festlichkeit empfangen wollen; der Baron hatte alles abgelehnt und, damit die Leute nicht um ihre Freude kämen, sich durch reiche Geldspenden von dem geplanten Empfange losgekauft. Damit hatte er ganz in Annas Sinn gehandelt. Auch ihr war nicht nach rauschendem Jubel zu Mute; Arm in Arm mit ihm, wie sie es am ersten Tage gemacht hatte, wollte sie auch heute durch den Park zum Schlosse gehen.