Einen starren, beinah stieren Ausdruck nahmen seine Augen dabei an, bis daß er, wie plötzlich zu sich kommend, den Blick von ihr hinweg zur Seite wandte.

Anna merkte nichts davon. Sie erzählte von ihren Blumen, mit denen sie gleich morgen anfangen wollte; daneben plante sie einen großen Gemüsegarten, der natürlich auch unter ihrer Obhut stehen sollte. Sie war ganz vertieft in ihre Entwürfe und glücklich wie ein Kind.

Unterdessen saß der bleiche Mann schweigend ihr zur Seite. Ob er hörte, was sie sprach? Ob er acht darauf gab? Es sah nicht so aus. Seine Seele schien mit den dunklen Gewalten beschäftigt, die wieder übermächtig über ihn wurden.

Es war spät geworden; die Stutzuhr auf dem Kaminsimse schlug elf Uhr. Zeit zum Zubettegehen.

Anna wurde still, der Baron blieb stumm wie bisher – es trat das verlegene Schweigen ein, wenn zwei Menschen dasselbe denken und keiner von beiden zu sprechen anfängt.

Annas Gesicht erglühte immer tiefer, ihre Hände spielten mit den Quasten der Schnur, mit der ihr Kleid gegürtet war; sie senkte die Augen in den Schoß und blickte verstohlen zu ihm auf. Jetzt erst bemerkte sie, wie verschattet sein Antlitz war.

Noch eine Weile peinlichen Schweigens, dann erhob er sich. Seine Bewegung hatte etwas Unsicheres, wie die eines Menschen, der nicht recht weiß, was er thun soll.

Langsam war auch Anna aufgestanden; nun stand sie mitten im Zimmer, Nacken und Haupt schamhaft geneigt.

Sein unstäter Blick ging rund im Zimmer umher, dann blieb er an ihr haften, und der Ausdruck flackerte wieder darin auf, wie an dem Tage in Breslau.

Wie sie vor ihm stand! Unbewußt in keuscher Hingabe, wie eine demütige Magd! Wie sie lieblich war, wie sie reizend, schön und entzückend war!