Ein dumpfer Laut rang sich aus seiner Brust; wie damals, als sie vor dem Spiegel stand, umschlang er sie und riß sie an sich; mit dem Munde drückte er ihr Haupt nach hintenüber und dann wühlten sich seine Lippen auf ihren Mund, in ihr Gesicht, in ihren Hals.

Halb erstickt hing sie in seinen Armen; ihr Gesicht war ganz blaß geworden, ihre Augen geschlossen, unwillkürlich, wie damals, stemmte sie die Hände gegen ihn.

»Eberhard,« ächzte sie.

Und nun geschah, was an jenem Tage geschehen war: jählings ließ er von ihr ab, stürzte ihr zu Füßen und umschlang ihre Kniee.

»Verzeih mir,« stöhnte er, »verzeih mir und schlaf wohl, schlaf wohl, schlaf wohl!«

Mit einem Sprunge war er auf den Füßen, an der Thür, und ohne sich umzusehen, wie ein Gejagter, Verfolgter, zur Thür hinaus.

So rasch war dieses alles geschehen, daß Anna nicht Zeit gefunden hatte, ihm nachzurufen. Einsam blieb sie zurück, in völliger dumpfer Ratlosigkeit.

Sollte sie ihm nachgehen? Durch das fremde, dunkle Haus? Wo sie nicht einmal seine Gemächer kannte? Es grauete ihr. Auch hätte sie sich schämen müssen.

Was also blieb zu thun? Zu Bette gehen.

Seufzend ging sie in ihr Schlafzimmer. Die Jungfer, die ihr beim Entkleiden behülflich sein wollte, schickte sie hinaus; in der Stimmung, in der sie war, brauchte sie keine fremden Augen, die ihr zusahen. Das Bett mit dem schön verzierten Untergestell, das seidene Zelt darüber – wie prachtvoll alles. Aber in all dieser Pracht, welche Einsamkeit! Die frischen Linnen des Betts berührten sie mit fröstelnder Kühle; sie huschte tief in die Decken und unter Thränen schlief sie zum erstenmal auf Schloß Fahrenwald ein.