Sie nickte ihm mit traumverschleierten Augen zu.

In einem Armstuhl saß sie da, behaglich hintenüber gelehnt, die Füße weit ausgestreckt und übereinander gelegt.

»Die Frühlingsluft macht so müde,« sagte sie mit dämmernder Stimme, »und es ist so schön, einzuschlafen, während man die Nachtigallen singen hört – horch doch nur, wie das klingt – entzückend.«

Er war an das geöffnete Fenster getreten – sie hatte recht. Wie die Stimme des Frühlings drang der süße Ton der Nachtigallen aus dem nachtdunklen Parke herauf. Liebe war es, die ihren Gesang erweckte, und es war, als riefen sie allen Geschöpfen der Erde zu »liebt euch, jetzt ist die Zeit der Liebe«. Und da stand er und durfte nicht lieben. Die Qual, die er empfand, war so groß, daß er lange Zeit lautlos am offenen Fenster stehen bleiben mußte. Dann trat er zu ihr.

»Nun gute Nacht,« sagte er. Er stand über sie gebeugt; sie blickte lieblich zu ihm auf.

Plötzlich griff er mit der Hand hinunter und riß ihr den einen Schuh vom Fuße.

Sie erschrak beinah.

»Aber Eberhard.«

Sie wollte nach ihrem Schuh greifen, aber er hielt ihn fest.

»Ein Andenken,« rief er, »ein Andenken,« er lachte dabei laut, beinahe gellend, und dann, indem er den Schuh, in dem noch die ganze Wärme ihres Fußes war, an die Lippen drückte, schoß er auf die Thür zu und war hinaus. Kopfschüttelnd saß Anna und sah ihm nach; dann erhob sie sich, und den einen Fuß im Schuh, den andern im Strumpfe, wanderte sie in ihr Schlafgemach.