Eine Reihe von Tagen folgte, alle diesem Tage gleich. Luft und Himmel voll Sonnenschein, das Laubgezelt des Parks immer dichter anschwellend zum grünen, rauschenden Wald, von Düften durchflutet, von Vogelstimmen durchtönt, und durch die grünende Wildnis dahinwandelnd die rosige blühende Frau und der bleiche hohläugige Mann.
Immer größer wurde der Abstand, in dem sie gingen; immer weiter flog sie ihm voran, immer müder blieb er zurück, und es kam auch schon vor, daß er sich auf eine Bank niedersetzte und sie allein auf Entdeckungen ausziehen ließ.
Die schlaflosen Nächte griffen ihn zu furchtbar an. Seine Nerven waren des Morgens wie aufgeweicht, um sich dann im Laufe des Tages allmählich aufzustraffen, bis daß sie am Abende wieder angespannt waren, wie die Saiten eines Streichinstrumentes, jeden Augenblick zum Springen bereit.
Jeden Abend dann wieder das Aufsteigen des wütenden Verlangens und das Niederkämpfen desselben, so daß sein Inneres einem Schlachtfelde glich, und jeden Abend die Wiederkehr einer Erscheinung, die er sich nicht zu erklären vermochte, und die trotzdem vorhanden war, die er empfand, mit Grauen empfand:
Jeden Abend, wenn er in sein Zimmer gekommen war, hatte er ein Gefühl, als stände etwas hinter ihm, irgend etwas, er hätte nicht sagen können, was. Etwas Fürchterliches, das unablässig auf ihn hinblickte, mit grünen Augen, mit einem wartenden Blick. So deutlich empfand er die Anwesenheit dieses schrecklichen, unsichtbaren Etwas, daß ihm manchmal geradezu war, als hörte er ein leises, keuchendes Atemholen, so daß er die Lampe aufnahm und Winkel und Ecken seiner Zimmer durchstöberte, bis daß er die Lampe wieder niedersetzte und sich sagte, daß niemand da war und nichts, daß alles nur in ihm selbst war, ein Spukgebilde seiner Seele, der Wahnsinn, der Wahnsinn.
Eines freilich sah er bei diesen Gelegenheiten nicht: wenn er mit der Lampe in der Hand durch seine Zimmer stöberte und der Thür nahe kam, die zum Flur ging, dann sah er nicht, wie sich draußen an der Thür eine hagere Gestalt aufrichtete, die bis dahin lauernd zum Schlüsselloch gebeugt, mit leise keuchendem Atemholen gestanden hatte und nun, wenn sie seine Schritte nahen hörte, über den Flur hinweg huschte und sich in den Schatten des großen Schrankes drückte, der an der Wand des Flurs, neben der Thür stand.
Anna hatte in den letzten Tagen sein übles Aussehen bemerkt und ihn zärtlich besorgt gefragt, ob ihm etwas fehle. Aber er hatte hastig und entschieden verneint, »Gar nichts fehlte ihm, er war vollkommen wohl!« Und um sie zu beruhigen, hatte er sogleich einen weiten Spaziergang mit ihr durch den Park gemacht.
Mit aller Gewalt hatte er sich zusammengenommen und zusammengerafft; liebenswürdig und freundlich war er gewesen, wie nur je zuvor.
»Daß nur sie nichts merkte! Um Gottes willen, nur nicht sie!«
Aber diese letzte gewaltsame Anspannung gab ihm den Rest.