Da er sich heute, seiner Versicherung nach, so wohl fühlte, hatte Anna ihn wieder durch den ganzen Park mit sich genommen, herauf und herab, die Kreuz und die Quer. Mehrere Vogelnester hatte sie entdeckt, die noch im Bau begriffen waren, und das Treiben der Vögel dabei war doch zu reizend, jedes einzelne mußte sie ihm zeigen. Und nachdem das erledigt war, hatte er ihr dahin folgen müssen, wo sie ihren Gemüsegarten anzulegen gedachte; sie hatte ihm die einzelnen Felder schon gezeigt, wo Salat gebaut werden sollte, und Bohnen, Rüben und Tomaten, und was es alles gab.

Am Abend war sie daher schläfrig geworden wie ein Kind, das sich tagsüber müde gespielt hat.

»Heute werde ich aber gehörig schlafen,« sagte sie, als sie sich erhob, um ihm gute Nacht zu wünschen.

Er war heut so besonders liebenswürdig gewesen, dafür war sie ihm Dank schuldig. Zärtlich hing sie sich um seinen Hals, um ihn zu küssen. Wie es jetzt in seiner Gewohnheit lag, richtete er den Oberleib steif auf, als wollte er ihren Lippen ausweichen, aber sie hatte es sich in den Kopf gesetzt, heute sollte er einmal seinen Kuß bekommen. Lachend versuchte sie, mit ihrem Munde an den seinen zu gelangen, und weil ihre Körperlänge dazu nicht ausreichte, stieg sie mit den Füßen auf seine Füße. Indem sie sich auf den Spitzen erhob, reichte sie ihm bis an den Mund, und nun erhielt er einen langen, warmen, liebevollen Kuß.

Ihre Lippen lagen auf den seinen, ihr junger Leib drängte sich an ihn, auf seinen Füßen empfand er ihre warmen weichen Füßchen.

In dem Augenblick war ihm zu Mute, als risse etwas in ihm, beinah, als spränge eine Saite, so daß er das Nachsummen des Schlags in seinen Ohren zu vernehmen meinte.

Er schob sie von sich.

»Gehst du jetzt zu Bett?« fragte er; der Ton seiner Stimme war lallend.

»Freilich geh' ich zu Bett.«

An der Thür des Schlafzimmers blieb sie noch einmal stehen und warf ihm, traumselig nickend, Kußfinger zu.