»Ich meinte nur, was Sie da eben gesagt haben, von den Kartoffeln und der Ananas,« beeilte sich Herr Kurzer zu seiner Entschuldigung anzubringen.

Darauf aber hatte der alte Graumann lange Zeit gar nichts gesagt, sondern schweigend das Haupt in die Hand gestützt wie Jemand, der ganz in sich und seine Gedanken hinein kriecht. Endlich war er wieder heraus gekommen und hatte die Hand auf Herrn Kurzer's Arm gelegt.

»Herr Kurzer,« hatte er gesagt, »kennen Sie die Geschichte von dem Apostel Johannes, der sich, als er ein alter Mann geworden war, immer in die Kirche tragen ließ und immer nur ein Wort und nichts als das sagte: ›Kinder, liebt Euch unter einander?‹«

Herr Kurzer glaubte sich zu erinnern, daß er so etwas einmal gehört hätte.

»Mein lieber Herr Kurzer, sehen Sie, das war ein alter Mann, und ich bin auch ein alter Mann. Der hatte das Leben erfahren, sehen Sie, und wußte, was er sagte, und hatte recht. Einmal wird die Zeit kommen, da werden auch Sie sagen: der alte Graumann hat doch recht gehabt. Sehen Sie, mein lieber Herr Kurzer, da sind nun unsere Prediger. Alle Sonntage, die Gott werden läßt, klettert das auf die Kanzel und sabbert den Leuten eine Stunde lang was vor und nachher, wenn's zu Ende ist, gehen die Leute hinaus und sind genau so klug wie vorher. Wissen Sie, was sie thun sollten? Auf die Kanzel sollten sie steigen, ihre Bücher zu Hause lassen und den Leuten ein einziges Wort sagen, aber so, daß die Leute es hören: ›Seid nicht neidisch!‹«

Herr Kurzer hatte sich unwillkürlich umgesehen. So fürchterlich gebrüllt hätte der Regierungsrath, als er das sagte, daß er doch wirklich geglaubt hätte, die Vorübergehenden würden von der Straße herunter kommen, zu fragen, was da unten los sei.

Den alten Graumann aber hatten solche Befürchtungen offenbar nicht angefochten.

»So sollten sie sprechen, die Prediger,« hatte er fortgefahren; »›ich kenne Euch,‹ sollten sie zu den Leuten sagen, ›ich kenne Euch Alle, die Ihr da vor mir sitzt; durch Eure andächtigen, scheinheiligen Gesichter sehe ich hindurch, bis in Eure schwarzen Herzen. Ja, guckt mich nur an; denn in Euren Herzen ist es finster, finster, schwarz. Ein Höllenhund sitzt in Euren Herzen, in jedem einzigen, der Neid! der Neid! Der verdammte, verfluchte Neid!‹«

Bei diesen Worten, so erzählte Herr Kurzer später, war der Herr Regierungsrath aufgesprungen und im Keller auf- und abgegangen, auf und ab, so daß es ihm beinahe ungemüthlich zu Muthe geworden wäre und er gar nicht mehr gewußt hätte, was er eigentlich machen sollte. Endlich hatte er sich ermannt und noch einmal den Versuch gemacht, die Geschichte von der humoristischen Seite zu nehmen.

»Da würden die Herren Prediger ihre Kirchen wohl bald schön leer haben,« hatte er bemerkt.