»Schmeckt es, Kinder?« fragte er. »Schmeckt es?«
Die beiden kleinen Gesichter erhoben sich zu ihm. Ein glückliches Lächeln strahlte aus ihren Augen. »Ja – gut,« sagte der Junge mit einem Tone des gesättigten Behagens. Der alte Graumann wischte sich mit der breiten, flachen Hand über den Mund. »Und Dir? schmeckt Dir es auch?« wandte er sich an das Mädchen. »Ja, Herr Regierungsrath, sehr gut,« erwiderte die kleine, piepende Stimme.
Der alte Graumann lachte wie ein vergnügter Bär. Er sprang auf, nahm die kleinen Köpfe, einen nach dem anderen, in seine Hände und drückte sie. »Ihr Kinder!« sagte er, »Ihr Kinder!« Dann plötzlich stürzte er ans Fenster, schüttelte die geballte Faust nach der dunklen Straße zu, als stände da draußen Jemand. »Ihr Menschen,« brüllte er, »o Ihr – Canaillen!«
Die Kinder fuhren erschrocken auf. Vom Fenster kam er zu ihnen zurück; er streichelte sie, klopfte sie auf Kopf und Rücken.
»Habt Ihr Taschen an den Röcken? Nein –. Also packen wir den Kuchen wieder in die Tüte. Gehört Euch; nehmt Ihr mit zu Vater und Mutter.« Er raffte die Ueberbleibsel des Kuchens in dem Papier zusammen und gab sie dem kleinen Mädchen in die Hand. Die Kleinen hatten sich erhoben; er stand vor ihnen.
»Nächstens kommt Ihr wieder zu mir 'rauf. Wollt Ihr wieder zu mir 'rauf kommen? Trinkt Ihr wieder Kaffee bei mir. Wollt Ihr wieder Kaffee trinken?«
Die Kinder standen und blickten stumm und rathlos zu ihm auf. Dann mit unwillkürlicher Bewegung erhob der Knabe den rechten Arm und streckte dem alten Mann die kleine Hand hin. Der alte Graumann legte die kleine Hand in die Fläche seiner rechten Hand und deckte die linke darüber, als wenn er eine Kostbarkeit in seiner Hand verschlösse. »Wir bedanken uns auch schön,« piepte das kleine Mädchen.
Der alte Graumann ließ die Hand des Knaben fahren, drückte die Köpfe der beiden Kinder an einander und sein Gesicht darauf, so daß er beide mit den Lippen berührte. »Ach,« sagte er, »ach, ach, ach.«
Er richtete sich auf und drehte sich nach mir um. »Ich muß mit ihnen hinuntergehen,« erklärte er. »Sie wissen, wegen der Mütze. Sie schenken sich eine Tasse Kaffee unterdessen ein. Nicht wahr? Kuchen ist nicht mehr da. Aber eine Cigarre vielleicht?« Er stellte die Cigarrenkiste vor mich auf den Tisch.
»Gern,« sagte ich, denn ich fühlte, daß er mich noch haben wollte.