Wie tief mich der Anblick der unheimlichen Schilderei gefesselt, merkte ich daran, daß ich die Beschließerin der Kirche ganz vergessen hatte, die hinter mir stand und jetzt leise mit ihrem Schlüsselbund klapperte.

Ich drehte mich um. »Was hat es für eine Bewandtniß mit dem Bilde da?« fragte ich. »Wie kommt es her? Wen stellt es dar?«

»Das ist das Bild,« erwiderte die Frau, »von dem Mann, der die Kirche hier gestiftet hat und hat bauen lassen.«

Merkwürdige Art, den Stifter einer Kirche zu verewigen, indem man sein Bild in solcher Gestalt in seine Kirche hängt!

»Wer hat das Bild von ihm malen lassen?« forschte ich weiter.

»Er selber hat sich so malen lassen und bestimmt, daß das Bild für alle Zeit da hängen sollte.«

»Er selber – wer war der Mann?«

Das wußte die Frau nicht.

»Was hatte er gethan?« Das wußte sie auch nicht.

Düsteres Geheimniß. Wir waren allein in der Kirche, ich, die Beschließerin und der da auf dem Bilde. Und in meiner Vorstellung erschien es mir, als stände hinter dem Bilde etwas auf, etwas Dunkles, irgend ein grauenvolles Ereigniß, eine furchtbare That. Niemand wußte mehr, was es gewesen. Die Zeit hatte alles in Schweigen begraben, die That und das Opfer. Nur Einer war übrig geblieben, ein Zeuge, der das Schreckliche aus nächster Nähe mit angesehen hatte, aus allernächster, der Thäter selbst. Und der hatte dafür gesorgt, daß sein Andenken der Nachwelt erhalten blieb in solcher Gestalt. Was für eine Art von Mensch mußte das gewesen sein. Meine Gedanken tasteten an dem verzerrten Gesichte herum, das auf mich herabblickte.