Abb. 36

Der zeichnerische Schmuck wird dieser jeder charakteristischen Fläche gewissermaßen von Natur aus innewohnenden Bewegung gerecht werden müssen. Quadrat- und Kreisfüllungen werden sich am besten um einen Mittelpunkt gruppieren ([Abb. 35] links und rechts). Senkrecht steigende Bordüren werden auch in ihrem Schmuck den Eindruck des Steigenden, des Emporstrebenden erwecken müssen. Wagrecht laufende Bordüren dagegen werden den Charakter des Seitwärtslaufenden oder des Ruhenden ([Abb. 36]) oder des Hängenden ([Abb. 35]) zu erwecken haben, wenn der Schmuck der geschmückten Fläche entsprechen soll. Unter Umständen können auch mehrere Gesichtspunkte zugleich nach Geltung streben. Bei einer Tapete z. B. wird die obere Kante die Wandfläche abschließen und gleichzeitig den Blick ringsum zu lenken haben, während die Fläche selbst, je weiter sie abwärts führt, nach Ruhe zu streben hat, damit die Silhouetten der im Zimmer stehenden Möbel und der darin wohnenden Menschen sich wohltuend von der ruhig gehaltenen Fläche abheben können.

Abb. 37

Abb. 38

Der Anfänger tut, sobald er über den Bewegungscharakter der Fläche Klarheit gewonnen hat, gut daran, die zu schmückende Fläche zu zerteilen ([Abb. 37]). Entweder durch senkrechte ([Abb. 37] a) oder durch wagrechte ([Abb. 37] b) Striche, durch Schräg- ([Abb. 37] d, e) oder durch Bogenlinien ([Abb. 37] f, g), durch Kombination der Elemente ([Abb. 37] c, e, f), durch strahlenförmige Gliederung der Fläche ([Abb. 37] h) usw. Auf diese Weise erhält man eine reiche Zahl von Elementarfiguren, von Quadraten ([Abb. 37] c, d), Rauten, Dreiecken ([Abb. 37] e) u. a. Gebilden. Diese geometrischen Einzelfiguren gilt es nun zu »füllen«. Entweder alle gleichmäßig oder im rhythmischen Wechsel ([Abb. 37] f). Die Füllung selbst kann ebenfalls geometrischen Charakter erhalten; sie kann jedoch auch Formen verwenden, die sie dem Pflanzen- ([Abb. 34], [35] und [Farbtafel]), dem Tier- ([Abb. 36]) oder dem Menschenreich entnimmt. In diesem Falle wird der Zeichner vor die Aufgabe gestellt, die Naturform in jene geometrische Teilfigur, in ein Quadrat, in ein Rechteck, in eine Raute usw. einzufügen. Das verlangt in der Regel eine Wandlung, eine Stilisierung der nach der Natur entworfenen Zeichnung.

Die Naturform wird bei dieser Eingliederung in das entworfene Liniennetz selbst etwas vom geometrischen Charakter annehmen, indem sie ihre Begrenzungslinien den geometrischen parallel laufen läßt ([Abb. 38] links) oder indem sie eine diagonale Anordnung versucht ([Abb. 38] Mitte). In beiden Fällen können die Objekte, die zur Füllung verwandt werden, verdoppelt ([Abb. 38] rechts), verdrei- und vervierfacht werden; nur wird es sich nötig erweisen, in solchen Fällen nach einem gewissen Gegengewicht zu streben, damit nicht innerhalb des zu füllenden Raumes eine unangenehme Leere sich bemerkbar macht.