Abb. 52
Abb. 53
Es wurde bereits darauf hingewiesen, welcher Art diese wissenschaftliche Zeichnung sein kann: daß sie sich auf die Darstellung des Grundrisses, des Aufrisses und der Seitenansicht sowie auf die Wiedergabe charakteristischer Körperschnitte zu beschränken pflegt. Jeder gebildete Mensch sollte derartige Darstellungen zu lesen vermögen. Karten als Grundrisse, Profile als Aufrisse treten ja schon jedem Volksschüler der Mittelklasse im heimatkundlichen Unterricht entgegen. Aber auch im täglichen Leben, beim Bau eines Hauses, beim Einrichten einer Wohnung, beim Herstellen eines Möbels und in hundert ähnlichen Fällen kann sich die Notwendigkeit ergeben, wissenschaftliche Zeichnungen verstehen und unter Umständen entwerfen zu müssen.
Der einfachste Weg zum Erlernen dieser Darstellungsweise wird sich – wie beim anschauungsgemäßen Wiedergeben eines Objekts – an der Hand der Wirklichkeit finden lassen: Man beginne, wie beim Freihandzeichnen auch, mit der Darstellung flacher Objekte. Fenster, Türen, Bilderrahmen, Wände eignen sich als Aufrisse. Haus- und Gartenanlagen, Stadtbezirke u. ä. als Grundrisse. Bei der Wiedergabe körperhafter Objekte wähle man vorerst solche, die von geometrischen Grundformen – Prismen, Walzen, Pyramiden, Kegeln, Kugeln, Halbkugeln – wenig abweichen: Stühle, Schemel, Tische, Kästen usw. Eine besonders reizvolle Aufgabe ist die freie Konstruktion der eignen Zimmereinrichtung und ihre zeichnerische Darstellung für den Schreiner. Man mache den Versuch, einen Küchenschrank z. B. mit genauer Angabe der Maße im Grund- und Aufriß, sowie in der Seitenansicht darzustellen, und man wird finden, welch reiches Maß von Überlegung ein derartiges Möbelstück verlangt. Doch lohnt sich die Mühe reichlich durch den persönlichen Stil, den auf diese Weise die Einrichtung des eigenen Heimes gewinnt ([Abb. 52] u. [53]). Oder man versuche, die eigene Wohnung auszumessen und im Grundriß darzustellen. Praktischen Wert kann diese Übung bei einem Umzug gewinnen. Man weiß dann sofort, ob der zur Verfügung stehende Platz ausreicht, in welcher Hinsicht sich Ergänzungen notwendig erweisen und erspart von vornherein das mißliche Verrücken der Möbel in der neuen Wohnung ([Abb. 54]).
Abb. 54
Für wissenschaftliche Freihandskizzen sowie für die ersten Übungen im Maßstabzeichnen eignet sich besonders gut quadriertes Papier.
Da es heutzutage an Beispielsammlungen für wissenschaftliches Zeichnen – besonders für Linear- und Maßstabzeichnen – nicht mangelt, so glaube ich von einer größeren Zahl von Darstellungen absehen zu können.