Abb. 57
Abb. 58
Außer dem Schatten, den der Körper selbst zeigt, ist auch jener Schatten zu beachten, den der Körper auf seine Standfläche oder auf eine in der Nähe befindliche Wand wirft. Dieser sogenannte Schlagschatten ist u. a. abhängig von der Helligkeit der Beleuchtung, von dem Winkel der einfallenden Lichtstrahlen, von der Gestalt des Objekts, kann also ganz verschiedene Helligkeitsstufen und Formen erhalten und darf darum nicht nach irgendeinem Schema beigefügt werden, sondern erfordert genaues Studium der Wirklichkeit ([Abb. 58] u. [59]). Ist man endlich so weit, daß man die einfachen Gegenstände hinsichtlich ihrer Linienperspektive und hinsichtlich ihrer Belichtung und Farbe zeichnerisch wiederzugeben vermag, so wird man, bevor man zum Studium der lebenden Natur und zu Freilichtstudien übergeht, sich an sogenannten Stilleben versuchen. Man wird Gegenstände, die in Wirklichkeit ebenfalls beisammen zu stehen pflegen – Zigarren- und Zündholzschachteln, Zigaretten und Aschenschale, Töpfe und Teller, Hobel und Hammer, Krüge, Flaschen und Gläser usw. – nach zeichnerischen Gesichtspunkten gruppieren und darzustellen versuchen.
Abb. 59
Auch beim Zeichnen sogenannter Stilleben wird es sich empfehlen, den Blick vorerst für das Ganze zu schulen, für den Gesamteindruck, der Gruppe, ehe man an die Ausarbeitung der Details denkt; denn wo die Raumverteilung als mißglückt bezeichnet werden muß, da kann auch die sorgsamste Wiedergabe der Einzelheiten das Bild nicht mehr zu einem gelungenen werden lassen.
Hat man sich an einfachen und zusammengesetzten Gebrauchsgegenständen des Hauses hinreichend geübt, dann ist es an der Zeit, das erworbene Wissen und Können an Objekten der lebenden Natur zu versuchen.
Zunächst an Pflanzen: Man gehe hinaus vor die Stadt und pflücke sich vom Wegrain ein paar Ähren oder einige Blüten, die nicht so schnell verwelken, sondern mehrere Stunden hindurch ihre Gestalt behalten, und versuche ihre Wiedergabe ([Abb. 60]).