Vors.: Dem Stülpnagel haben Sie gesagt, das Pulver ist da, um „Leid und Liebe zu wecken“. Als Stülpnagel fragte: „Um Gottes willen, warum denn auch für die Jungen?“ haben Sie erwidert: „Die Jungen werden es leichter aushalten.“
Angekl.: Daran kann ich mich nicht mehr erinnern.
Vors.: Bei der Beichte haben Sie dem Stülpnagel das Säckchen mit dem Bleiweiß übergeben?
Angekl.: Jawohl.
Vors.: Er hat es untersuchen lassen und da hat sich herausgestellt, daß das Säckchen nur Mehl enthalten hat. Da hat er es weggeworfen.
Angekl.: Da muß er rein das Säckchen mit einem anderen vertauscht haben.
Vors.: Die richtigere Lösung wäre aber die, daß Sie ihm eben nur ein Säckchen mit Mehl übergeben haben, um nicht überwiesen werden zu können.
Es wurde hierauf der Zeuge Ernst Stülpnagel vorgerufen. Er ist einundfünfzig Jahre alt, ein Preuße. Er ist klein, untersetzt, rotwangig, ohne Nerven. Die Angeklagte nannte ihn gerne „Stilpe“. Er steht mit beiden Füßen auf dem Boden der Tatsachen; Familie, Frau und Kinder kommen in zweiter Linie. Über die erotischen Beziehungen ist den Akten nichts zu entnehmen, da die Verhandlungen, die sich darauf bezogen, unter Ausschluß der Öffentlichkeit geführt wurden. Er hat die Angeklagte verführt, ist ihr aber nicht treu geblieben und dies soll das Motiv ihrer Handlungen gewesen sein. Aber es scheint vielmehr, daß die stärksten Grundlagen ihrer Beziehungen geschäftlicher Natur waren und in diesem Kreise bewegen sich auch die Aussagen am ersten Verhandlungstage. Er gibt an, er hätte im Januar 1919, als er aus dem Felde zurückkehrte, annonciert, daß er für seine Verlagsbuchhandlung eine Hilfskraft brauche. Wegen ihrer guten Zeugnisse engagierte er die Angeklagte, ohne von ihrem Vorleben etwas zu wissen, vorerst in untergeordneter Stellung. Sie erwies sich als sehr verwendbar und tüchtig. Eines Tages, sagte der Zeuge, kam sie zu mir und meinte, ich möge ihr eine bessere Verwendung geben, die Arbeit wäre ihrem Bildungsstand und ihren Fähigkeiten nicht angemessen. Das habe ich denn auch getan. Ich war erfreut, zu sehen, mit welchem Eifer und welcher Hingabe sie ihre Pflicht erfüllte, wie erstaunlich leicht sie alles auffaßte und wie rasch sie sich in den verwickelten Geschäftsbetrieb einarbeitete. Sie war auch ganz bestimmt uneigennützig, und hat auch immer dagegen protestiert, wenn ich ihren Gehalt aufbessern wollte. Selbstverständlich mußte ich ihr, wie sie in die erste Stellung aufrückte, auch eine bessere Bezahlung geben. Im Geschäft habe ich sie streng behandelt.
Vors.: Allmählich haben Sie sie auch liebgewonnen. Bitte mir kurz zu sagen, wie sich das entwickelt hat. Wann sind Sie ihr näher gekommen?
Zeuge: Im September 1920.