Zeuge: Ich möchte heute nur hinzufügen: die innigen Gefühle, die ich für Milica Vukobrankovics heute natürlich nicht mehr empfinde – aber ich muß doch alles in seinem inneren Zusammenhange darstellen, ich, der ich M. V. am meisten belaste, muß auch alle ihre Lichtseiten schildern, die mir sie wert gemacht haben und das will ich tun und davon will ich nicht mich abbringen lassen.
Vors.: Sie tun so, als ob man Sie daran hindern wollte ...
Zeuge: Ich habe mir ein halbes Jahr mein Gehirn darüber zermartert über das Warum. Was kann die Beschuldigte getrieben haben, eine derartige Tat zu begehen? Wenn man einen großen Einsatz wagt, muß dem gegenüber doch ein großes Gewinst stehen. Welchen Gewinn hätte sie durch ihre Tat haben können, ich sehe keinen, nicht den geringsten. Im Gegenteil, sie hat sich durch ihre Tat in jedem Falle in die größte Gefahr begeben. Wo soll der Nutzen liegen? Meine Familie, von der sie weiß, daß ich sehr an ihr hänge, erkrankt schwer. Ich selbst auch, ich war am schwersten krank. Nehmen Sie an, ich gesunde und meine Familie geht zugrunde. Hat die V. als die gescheite Person, als die sie immer hingestellt wurde, auch nur mit einem Gedanken daran denken können, daß dann eine Verbindung zwischen ihr und mir möglich wäre? Selbst, wenn ich nichts von der Sache gewußt hätte, ich halte das psychologisch für ganz unmöglich.
Vors.: Warum nicht?
Zeuge: Ausgeschlossen, gänzlich ausgeschlossen.
Vors.: So sagen Sie, warum nicht. Sie haben sich doch gestern so warm für die Angeklagte eingesetzt und haben gesagt, ich nehme sie wieder in mein Geschäft.
Zeuge: Ich habe gesagt: wenn das nicht geschehen wäre, das ist doch selbstverständlich.
Eine Geschworene: Der Herr Zeuge hat gestern gesagt, ich bedaure jeden Tag und jede Stunde, daß ich sie nicht mehr bei mir habe. Das hat bei mir einen tiefen Eindruck gemacht und ich habe mir den Wortlaut gemerkt.
Zeuge: Ich werde das Gute, das ich an ihr kennen gelernt habe, weiter schätzen. Ich will das sagen und muß das sagen ... Ich möchte jetzt an die erste Frage anknüpfen, ich sehe tatsächlich nicht, wie diese kluge Person mit kalter Überlegung gehandelt haben soll, selbst wenn sie hätte Rache nehmen wollen. An mir hätte sie ein viel wirkungsvolleres Mittel gehabt.
Vors.: Zum Beispiel?