Vert.: In welcher Art?
Zeugin: Ist ein Trieb nicht Krankheit?
Vert.: Haben Sie bei Ihrer Tochter impulsive Handlungen bemerkt?
Zeugin: Gewiß, sie gleicht darin ihrem Papa.
Vors.: Er hat den Eindruck eines Blödsinnigen gemacht, was man von Ihrer Tochter nicht behaupten kann.
Vert.: Was haben Sie sonst noch an ihr beobachtet?
Zeugin: Verschiedene Eigentümlichkeiten. Seit 21 Jahren lebe ich in der Angst, daß Milica wie ihr Vater in geistige Umnachtung fällt. Wenn sie sich aufregte, merkte ich, daß das rechte Auge abweicht. Mitunter konnte ich meine Angst nicht verbergen, sie las in meinem Blick und sagte mir dann immer: „Was schaust du mich schon wieder so forschend an? Fürchtest du, daß mir das Schicksal des Vaters werde?“
Vert.: Sie erzählten mir noch von einer anderen Eigentümlichkeit ihres Wesens.
Zeugin: Ja, wir waren einmal dreieinhalb Wochen in Venedig, haben alle Galerien und Museen besucht, so daß ich ihr schließlich sagte: „Nun kannst du ein ganzes Buch über deine Eindrücke schreiben.“ Nach der Heimkehr hatte sie sich aber von der Venediger Reise nichts gemerkt als die Markuskirche.
Vert.: Auf einmal also eine leere Strecke im Gehirn. Das sagt auch die Fakultät, daß bei ihr Zeiten sind, wo ihr Gedächtnis vollkommen versagt.