Vors.: Als ein Zeuge über ihr Liebesverhältnis zu Stülpnagel Äußerungen machte, haben Sie geäußert: „Wie der Schelm ist, so denkt er auch über andere.“

Angekl.: Wobei ich zu bemerken habe, daß ich hier nicht nur meine Ehre, sondern auch die Ehre eines anderen zu schützen habe. Das entschuldigt mich wohl genügend.

Vors.: Über die Geschworenen schrieben Sie: „Wegen der Verleumdung hätte ich mich schon verantworten können, das andere hätten die Trotteln doch nicht geglaubt.“ (Das ist nur so zu verstehen: den Giftmord hätten sie mir nicht zugemutet!) (Heiterkeit.) Über die Gerichtsbeamten: „Man hat mich in der Strafhaft nicht gut behandelt, aus Sadismus, damit ich bald verrecke.“ Über die Richter: „Die Richter sind alle Hunde. Der Untersuchungsrichter Dr. Fischer ist genau so ein Hund wie die anderen.“

Angekl. (ruhig): Das über den Herrn Dr. Fischer nehme ich zurück.

Vors. (trocken): Das andere nicht? (Heiterkeit.)

Vors.: In einem anderen Brief, der aus der Zelle herausging, sagten Sie: „Es wäre mein heißester Wunsch, daß der Skalp des Untersuchungsrichters auf meinem Weihnachtsbaum hängen möge.“ (Stürmische Heiterkeit.)

Vors.: Wollen Sie diese Ausdrücke eines rohen Charakters entschuldigen?

Angekl.: Diese Briefe geben nur ein Bild meiner zerrissenen Seele. Aus ihnen ersieht man, was ich gelitten habe.

Vors.: Alle Zeugen haben Ihnen in den letzten Tagen das beste Zeugnis ausgestellt, niemand hat Sie als zynisch oder roh kennen gelernt. Wie kommt es nun, daß Sie während der Haft diese förmliche Schimpfwut besaßen? – Sie hat halt immer, wenn man ihr in der Untersuchung auf etwas draufgekommen ist, ihrer Laune Luft gemacht. –

Vert.: Ich erkläre mir das anders. Auf eine so feingestimmte Seele, wie Fräulein V. es ist, wirkt eben die Haft ganz anders ein, als auf stumpfe Menschen.