Sie schildert nun ausführlich ihre vielfachen Bemühungen, sich vor der Familie P. von dem auf sie gefallenen Verdachte zu reinigen. Endlich gelang es ihr, von Herrn Piffl empfangen zu werden. Er begrüßte sie anscheinend sehr verlegen und sagte dann, es sei etwas sehr peinliches geschehen, der Verdacht, die Giftpille in die Schachtel getan zu haben richte sich gegen sie. „Als ich,“ sagte die Angeklagte, dies mit Entschiedenheit zurückwies, verschanzte sich Herr Piffl hinter seine Frau. So lassen Sie mich doch mit ihr sprechen, meinte ich, und wirklich erschien dann Frau Piffl. Es kam zu einer Auseinandersetzung, und ich war fest entschlossen, die Sache anzuzeigen, dann überlegte ich es mir, denn Frau P. hatte mir am Schlusse der Szene gesagt: „Sagen Sie aber ja nicht, daß ich Sie beschuldigt habe.“ Da dachte ich mir, was nützt denn die Anzeige, die Frau wird doch alles in Abrede stellen. Außerdem dachte ich an die Aufregungen, denen meine Mutter neuerlich ausgesetzt sein würde und ich beschloß, der Sache freien Lauf zu lassen, da sie sich in ein paar Tagen aufklären müsse.
Vors.: Sie sollen auch Herrn Piffl gesagt haben, er möge im Kasten nachsehen, vielleicht finde er dort etwas.
Sagen Sie nur, was Sie dachten. Sie begehen hier damit keine Verleumdung, denn hier sind Sie, um sich zu rechtfertigen.
Angekl.: Ich dachte mir, man sagt mir so kaltblütig ins Gesicht, daß ich die Giftmischerin bin und es könnte doch auch der Bub gewesen sein. Ich wollte ihm damit kein Unrecht tun.
Vors.: Sie haben schon vorher bei Herrn Piffl auf den Albert als den möglichen Täter hingewiesen.
Angekl.: Ich wollte nur, daß einmal ordentlich nachgesehen wird.
Vors.: Wie haben Sie sich das Fläschchen mit der Aufschrift „Gift“ verschafft, das Sie dann an Piffl gesandt haben?
Angekl.: Ich war in höchster Aufregung, habe in der Schule die Lehrmittelsammlung aufgesucht und in einem Kasten das Fläschchen gefunden.
Vors.: Und Sie haben dann das Schulmädchen mit diesem Fläschchen und mit einem zweiten aus Ihrer Wohnung zu Piffl gesandt.
Die Angeklagte erzählt nun den Vorfall und sagt, sie habe sich damals in einem Traumzustand befunden (dieser Traumzustand kehrt in stereotyper, erstarrter Form bei der Verantwortung der V. im zweiten Prozeß wieder), so daß sie kaum wußte, was sie getan habe. Am Tage vorher habe sie eine Wahrsagerin getroffen, die ihr prophezeit habe, daß Leute, die sie für Freunde halte, gegen sie falsch sein würden.