Abb. 7. Dierick Bouts, Martertod des heil. Hippolytus. Originalgemälde in der Erlöserkirche zu Brügge. Mittelbild eines dreiteiligen Altars. 91×90 cm. Das Bild gehörte ursprünglich der Zunft der Kalkbrenner. Es galt früher als ein Werk des Memling, wird jetzt von einigen, wie Reylaender, (1911) dem »Meister der Perle von Brabant«, also einem Schüler des Bouts zugeschrieben. – Als Landschafter folgt Bouts der holländischen Anschauung. »Er wird in Löwen zum Gründer der Landschaftsmalerei.« (Johanna de Jongh). – Bouts war ein Holländer (geb. in Haarlem, vor 1410). Vor 1450 läßt er sich in Löwen nieder. Wird dort Stadtmaler. Starb 1475. – »Bouts scheint durch den Tod an der Vollendung des Altars verhindert worden zu sein.« (Friedländer).

Die Stifter des Altars sind Hippolyte de Berthoz und sein Weib Elisabeth de Keverwyck. – Nach Detzel wurde 1551 eine frühchristliche Statue des Heiligen in Rom aufgefunden. In der Kunst sein Bild meist nur als stehende Figur. Ein Martyriumbild (um 1200) soll sich in Breuweiler befinden. – Der Artikel »Bouts« im Künstlerlexikon Thieme-Becker sagt: B. suche durch Schönes und Mildes das Gruseliche zu paralysieren!?

Abb. 8. P. P. Rubens, Der Martertod des heil. Livinus. Nach dem Kupferstich des Corn. van Caukercken 1657. (575×435 mm) (B. S. 106, 108 I) Gemalt um 1635. Jetzt im K. Museum zu Brüssel. Gemalt für die Jesuitenkirche in Gent. Auch Jak. Burckhardt nennt Rubens einen der allergrößten Meister des Dämonischen im Menschenleben. Das Gemälde mißt 4,50×3,35 m. Der Stich zeigt das Bild im Gegensinn.

Abb. 9. P. P. Rubens, Der enthauptete heil. Justus hält seinen Kopf. Holzschnitt Josef Middeleers in Jules du Jardin's »L'art Flamand« Brüssel 1897. Das Bild (1,89×1,32), jetzt im Museum zu Bordeaux, wurde für die Antwerpener Klosterkirche der Annunziaten gemalt, weil dort der Kopf des Heiligen bewahrt wird. Von Rubens Hand nur diese furchtbar wirkende Figur des jungen Heiligen. Eine ähnliche Darstellung auf einem Glasgemälde des 16. Jhds. im Chor der Kathedrale von Beauvais.

Abb. 10. Pieter Breughel, Der Kindermord zu Bethlehem. Originalgemälde im K. K. Hofmuseum in Wien. Vom Künstler signiert. (Holz, 116×160 cm) Mehr als 150 kaum 15 cm große Figuren. Aus dem Besitz des Kaisers Rudolf II. Kopien in den Museen zu Brüssel, Hermannstadt i/S., Würzburg u. a.

Abb. 11. Rubens, Der Kindermord zu Bethlehem. Nach dem Stiche des Car. Dupuis von 1709. (319×465 mm) Das Original (1,98×3,02 m) in der K. ält. Pinakothek in München, fast ganz von Rubens Hand (um 1635). Zum Vergleich mit Breughel noch: B. gibt alles in flämischem Dorf. Rubens in großer antiker Welt. Die Engel in der Luft bei Rubens bezeichnend für ein gewisses Schwächegefühl, das Breughel nicht kannte. Vergl. hiermit Callots Stich, der das ganze in eine Kulissenstraße verlegt. Der stärkste von allen bleibt Breughel.

Abb. 12. Ph. Galle (?) nach Pieter Breughel d. Ä. »Gerechtigkeit«. Kupferstich aus der Stichfolge der 7 Tugenden (225×290 mm). Wohl aus Breughels letzter Zeit. Den großen kulturhistorischen Wert des Blattes erhärtet die Feststellung Romdahls, daß z. B. die Foltermethode mit dem Trichter in dem 1553 erschienenen Werke »Praxis Criminalium Rerum« des niederländischen Rechtsgelehrten Josse van Damhouder als die wirksamste und üblichste empfohlen wird. Anregungen zu diesem Bild fand Breughel auch in der deutschen Kunst, z. B. in dem Augsburger Laienspiegel von 1512 u. a. Doch macht er erst aus einer Illustration eine überlegene Schöpfung tieferer Bedeutung. Von B. führt mehr als ein Weg zu Goya.

Abb. 13. Rubens, Sturz der Verdammten nach dem Stich von Richard van Orley nach Zeichnung Jan van Orleys. (Lichtdruck von Karl Kuhn in München in Bredt: »Häßliche Kunst?«) Das Original (2,86×2,24) in der K. alten Pinakothek in München. Um 1615 ganz von Rubens Hand gemalt! – Ursprünglich in Gent. 1677 an den Herzog von Richelieu verkauft, dann kurfürstl. bayer. Besitz.

Zu der Zeit, als Rubens dies Bild malte, war, nach dem Bericht des Lord Dudley Carleton, Antwerpen eine verödete Stadt. In den Straßen wuchs vielfach Gras »und das ganze Land gleicht dieser Stadt: eine glänzende Armut, schön aber elend.« Antwerpen bekam durch den Frieden von Münster den Todesstoß. Übrigens war Rubens der Hofmaler des Bezwingers Belgiens, des Al. Farnese von Parma, dann des Statthalters Erzherzogs Albert.

Abb. 14. Hans Memling, Ausschnitt aus der Hölle von M's »Jüngstem Gericht« in der Marienkirche zu Danzig (80 cm breit). Der Besteller des Altars war ein Vertreter der Medici in Brügge! Bezeichnend für den Handelsruf der Stadt, den Kunstruhm Flanderns. Das Schiff mit dem Bild wurde auf dem Weg nach Italien von einem Danziger Schiff gekapert. Das Bild, um 1471 gemalt, wurde 1807 nach Paris entführt. Ist seit 1816 wieder in Danzig. Lafenestre sagt von Memling, der vom Mittelrhein stammt, »in Flandern und unter dem Einfluß flandrischer Maler hat sich Memlings Genie entwickelt.« Über den großen Ruhm der belgischen Malerei jener Zeit und Art, zumal in Italien, vergl. Kraus, Gesch. v. Chr. Kunst II, 2. S. 189. Burckhardt, Cicerone III, 716. Fétis, Les artistes belges à l'étranger 1857. Bode, Holl. Malerei. Floerke, Kunsthandel u. a. Niederländische Gemälde an den Höfen Italiens damals italienischen weit vorgezogen. Gründe: Technik, Realismus, Phantasie. Lies dagegen Michelangelos Gespräche und gegen diesen wieder Schopenhauer, Welt als Wille I, 3, 48. – Das erwähnte Brüsseler Bild »Marter des h. Sebastian« wird von anderen dem Memling jetzt abgesprochen. Vgl. Frz. Bock, Memling-Studien, Düsseldorf 1900.