Abb. 15. Hieronymus Bosch, Die Hölle. Rechter Flügel des dreiteiligen Bildes: »Der Heuwagen« im Eskurial. Nach 1500 gemalt. Original 1,62 h. – Nach der Photogravüre in: P. Lafond »Hieronymus Bosch«. Bruxelles u. Paris. G. van Oest & Co. Hierzu noch Abb. 24.
Abb. 16. Alaart du Hameel, »Das Jüngste Gericht« nach Hieron. Bosch. Kupferstich. Originalgröße 240×350 mm. Die Laster als Tiere ist uralte Allegorie. In der deutschen Kunst der Zeit wirkte kein Blatt auch auf den jungen Michelangelo mehr als Schongauers: Versuchung des h. Antonius. Flämische und rein germanische Phantastik sind noch nicht getrennt. Lionardos »Wollust und Schmerz«, abgeb. in Bredt, »Sittliche oder unsittliche Kunst?«
Abb. 17. Gerard David, Die Schindung des ungerechten Richters Sisamnes. Original im Städt. Museum in Brügge. (182×159). Hierüber orientiert gründlichst Eberhard Freih. von Bodenhausen: Gerard David u. s. Schule. München 1905. F. Bruckmann. Davids Bild charakterisiert durch seine Auftraggeber den belgischen Charakter. Ähnliche Aufträge noch an Rogiers für Brüssel und Bouts für Löwen. David kam wie fast alle großen in Flandern tätigen Maler aus Holland. Über die Kunstgeographie der Niederlande orientiert sehr übersichtlich Friedländer in »Kunst und Künstler« XIII, 2. Heft. Die Individualitäten als Stammesrepräsentanten aufzufassen – wie das Heidrich nicht gerade geschickt versucht hat – geht nicht an. Aber die Aufträge unterscheiden sich gar sehr da und dort. David wurde 1484 Meister in Brügge und starb dort 1525. – Schindungen malten auch andere – aber die Bilder des Ribera sogar haben nicht diese furchtbare Kälte. Anders wirkt auch Riberas Radierung: Schindung des h. Bartholomäus, durch den fanatischen wilden Henker, durch die sich abwendenden Zuschauer. Auch dies Bild ist Zeugnis französ. Kunsträuberei. 1794 nach Paris entführt, 1815 erst zurückgegeben. – Unsere Abbildung nach der Photogr. von F. Bruckmann A. G. München.
Abb. 18. Dierick Bouts, Martertod des heil. Erasmus. Originalgemälde in der St. Peterskirche in Löwen. Mittelbild eines Flügelaltars. (82×80 cm) »Das Bild ist nicht urkundlich als Schöpfung des Bouts beglaubigt. Die Durchbildung aller Einzelheiten, namentlich der Köpfe und Stoffe von einer frommen Gewissenhaftigkeit sondergleichen. Die peinliche und mit krasser Deutlichkeit geschilderte Marterszene steht in eigentümlichem Widerspruch zu der stillen Würde, die Bouts über diese, wie über alle Gestalten breitet.« (Friedländer). – Vergleiche hiermit den Kupferstich des unbekannten »Meisters des Erasmus«, den Lehrs im Katalog der Kupferstiche des German. Museums (Nr. 8) zuerst veröffentlichte.
Die Reliquien des h. Erasmus, eines der 14 Nothelfer, ruhen in Gaeta. Das Bild, durch den Dachstuhlbrand der Peterskirche gefährdet, wurde durch deutsches Militär in das Löwener Rathaus übertragen und steht noch heute unter der Aufsicht des Bürgermeisters von Löwen.
Abb. 19. »Brügger Meister der Ursulalegende«. Tod der heil. Ursula. (Ein Bild von 8 Szenen). Original in Brügge (48×30 cm) im Kloster der schwarzen Schwestern. Der Meister war um 1470–90 viel für florentinische Kaufleute tätig. Das Bild ist vor dem Ursula-Schrein Memlings gemalt. – Über die sehr kriegerischen Volksübungen berichtet Mokes: Moeurs et usages, Fêtes et solennités des Belges. (Brüssel.)
Abb. 20. Ambros. Francken, Martertod der heiligen Crispinus und Crispinianus. – Original im Museum zu Antwerpen (2,69×2,17). Ursprünglich für den Altar der Schuhmacher (deren Schutzpatrone die Heiligen sind) in Antwerpen gemalt. Francken – kein großer Maler, starb 1618.
Abb. 21. Antoine Wiertz, Das Erwachen des Scheintoten.
Abb. 22. Ders., Die Ohrfeige einer belgischen Dame. Beide Bilder im Wiertz-Museum zu Brüssel. Wiertz starb, wahnsinnig, 1865.
Abb. 23. Felicien Rops, Titelbild zu Péladans »Vice suprême« Paris 1884. P. schildert den Tod der lateinischen Rasse; Barbey d'Aurevilly sagte über Peladan: Er trage in sich die Dinge, die von allen am meisten gehaßt werden, den Aristokratismus, die Originalität.