Die Welt war ärmer geworden für ihn.


Die Armen und Elenden von St. Louis.

Bei den guten Samaritern. – Allein in der Riesenstadt. – Am Ufer des Mississippi. – Vom Grauen und von der Scham. – Eine Orgie in der Häßlichkeit. – Der Menschenpferch. – Auf Arbeitssuche. – Im Reich der kupfernen Töpfe. – Die Miniaturhölle des Palasthotels. – Das Glöckchen der Neugierigen.

Der Schnellzug brauste in die weite Bahnhofshalle von St. Louis. Sehr langsam, sehr vorsichtig, denn die Glieder waren mir schwer und träge wie Blei, stieg ich aus und wurde von der nach den Ausgängen flutenden Menschenmenge erfaßt und weitergeschoben; den Bahnhofssteig entlang, durch eine Vorhalle in eine breite Straße. Menschen hasteten vorbei, Wagenwirrwarr zog dahin. Mechanisch ging ich vorwärts, guckte in Ladenfenster, betrachtete das Straßenbild und bog in einen weiten, ruhigen Platz ein. Mein Kopf fieberte. Das Gehen wurde mir schwer. Ich versuchte, zu überlegen, was ich nun zunächst tun müßte, war aber so gleichgültig und müde, daß der Gedankengang immer wieder in ein Nichts zerfloß. Langsam schlenderte ich dahin. Da überrieselte mich ein Schauer, eiskalt, dann ein siedendheißes Wallen, und nun packte mich der Malariafrost, daß mein Körper zuckte und hin und her geschleudert wurde, während ich mich krampfhaft an einem Laternenpfahl festhielt –

»Was ist denn los?« fragte eine Stimme, die mir von weither zu kommen schien, und ein riesengroßes blaues Etwas tauchte neben mir auf.

»Sind Sie krank?«

Das blaue Etwas war ein Polizist, einen Kopf größer als ich, der erstaunt auf mich niederguckte. Ich wollte antworten, konnte es aber nicht vor Geschütteltwerden und Zähneklappern.

»Krank is' er!« sagte der Polizist. »Werden wir gleich haben. Umarmen Sie nur die alte Laterne, mein Junge – halten Sie sich fest. In einer Minute bin ich wieder da. Geh' nur zur Telephonbox.«

»Sie hat's ordentlich,« meinte er, als er zurückkam.