»Pardon me,« sagte er.

»I beg your pardon,« antwortete ich.

»My fault!«

»Aha – Sie sind ein Deutscher! Well, ich bin Johnny Young aus San Antonio und meine Freunde behaupten, ich sei unerträglich neugierig. Also Sie sind Deutscher? Ferner glaube ich sagen zu können, daß Sie noch nicht lange im Lande sind?«

»N–nein!«

»Aha! Wußte doch, daß kein amerikanischer Schneider diesen Anzug gemacht hat. Es ist so einfach, ein Prophet zu sein, wenn man die Augen ein wenig offen hält und nur ein bißchen nachdenkt. Well, well. Sie haben gepokert und verloren?«

Ich sah ihn erstaunt an.

»Ja? Stimmt's? Nein, ich bin kein Zauberer. Alles pokerte. Und natürlich pokerten Sie mit. Und natürlich verloren Sie!«

Wir schritten in weichem feinem Sand dahin, auf einem breiten Weg, eingesäumt von Palmen in endloser Reihe. Die dunkelgrünen Fächerwipfel stachen scharf ab von dem gelben Sand und dem tiefblauen wolkenlosen Himmel. Die Luft war feucht und schwül. Holzhütten tauchten auf. Im Hintergrunde schimmerten weißgetünchte Häuser. Es war wie ein Märchen – die Palmen ringsum, die schwere Luftschwüle, das grelle Tropenlicht; der merkwürdige Mann neben mir mit den weißen Haaren und dem frischen Gesicht, der vom ersten Augenblick an einen unbeschreiblichen Eindruck auf mich machte. Ich glaube, ich wäre ihm blindlings gefolgt, irgendwohin. Er war als junger Mensch in Key West gewesen. Während wir unter den Palmen dahinschritten erzählte er von den Milliarden und Abermilliarden Zigarren, die alljährlich in dem Hüttengewirr des Inselstädtchens von den geschickten Fingern kleiner Creolinnen verfertigt werden; von den Schmugglern Key Wests, von den Wreckern, von den Flibustiern, von Kämpfen mit Zollkuttern, vom Menschenriffraff der Florida Keys – von den Spielen Key Wests hinter verschlossenen Türen, bei denen Berge von Gold sich auf den Tischen häufen und jeder Spieler den Revolver schußgerecht vor sich auf dem Tisch liegen habe. Die Flibustier Floridas segeln Waffentransporte nach einsamen Landungsplätzen an der kubanischen Küste, wo Leute warten, die sehr arm sind, aber trotzdem für Waffen sündhaft viel Geld übrig haben. Revolutionäre. Die gibt's immer da drüben. Oft genug jagt ein Kriegsschiff solch einem Segler ein halbes Dutzend Granaten in den Leib. Aber die Waffen werden mit Gold aufgewogen – und solange Key West steht, wird es seine Flibustier haben, ebenso wie es stets das Hauptquartier der Wrecker sein wird. Das sind desperate Schiffskapitäne mit kleinen Segelbooten und einer Mannschaft von Inselnegern, die mit Taucheranzügen umgehen können. Sie kreuzen still und unauffällig an der Küste. Wenn ein Schiff an den gefährlichen Bänken strandet, so ist bald ein Wrecker da und schickt seine Taucher hinab, die alles nach oben befördern, was des Nehmens wert ist, ohne sich lang darum zu scheren, wem die Ladung gehört. Der Wrecker betrachtet alles als gute Beute. Er wird ein reicher Mann, wenn es ihm gelingt, Onkel Sam's Kanonenbooten zu entwischen.

Ich hörte in atemloser Spannung zu. Johnny Young lachte, als er endete, und sah mich vergnügt an.