Ich stand da, schüchtern wie ein kleiner Junge, und sagte kein Wort. Und ließ mich von einem Warenhaufen zum andern zerren, ließ mir einen breitrandigen grauen Sombrero mit silberbeschlagenem ledernem Hutband kaufen, blaue baumwollene Arbeitskleider, derbe Stiefel und lederne Reitgamaschen, eine Pfeife und einige Päckchen Tabak.

Dann half ich, unsere Koffer auf den grünen Farmwagen packen und kletterte ungeschickt auf den Wagensitz neben den alten Muchow. Die beiden Maultiere spitzten die langen Ohren, streckten die glattgeschorenen Schwänze mit den komischen Haarbüscheln an den Enden kerzengerade in die Höhe, und los ging es. Wir sausten die Häuserreihen entlang, bogen um eine Ecke und hielten mit einem Ruck vor einem winzigen hölzernen Kirchlein. Hunderte von Pferden tummelten sich auf dem großen freien Sandplatz neben der Kirche, in drängender Masse, in buntfarbigem Knäuel, fortwährend umkreist von Reitern in gestrickten Jacken und spitzigen zuckerhutförmigen Hüten, die mit gellenden Zurufen und knallenden Peitschenhieben die Tiere zusammengedrängt hielten. Keines der Pferde stand ruhig; sie galoppierten durcheinander, wieherten und bissen sich.

»Die weiße Stute dort in der Ecke!« sagte der alte Muchow. »Dreißig Dollars!«

Ein Mexikaner, der zu uns herangeritten war, nickte, gab seinem Gaul die Sporen und sauste in den Pferdeknäuel hinein. Rechts und links stoben die Tiere auseinander. Nun hatte er den Schimmel erreicht, der den Kopf hochwarf, mit einem gewaltigen Satz durch die Reihen der Pferde brach und in sausendem Galopp auf uns zujagte. Charley saß ruhig auf seinem Fuchs und schwang in immer größer werdenden Kreisen den Lasso. Die Schlinge zischte durch die Luft, fiel über den Hals des Pferdes, spannte sich. Ein scharfer Ruck, und wie vom Blitz getroffen, brach der Schimmel zusammen. Im Nu waren Charley und der Mexikaner über ihn her, legten ihm einen dicken Strick in kunstvollen Schlingen über Hals und Maul, banden das andere Ende des Strickes an den Wagen und –

»Fahr zu, Vater!« schrie Charley. »So schnell du kannst. Wir haben ihn!«

Die Peitsche klatschte auf die Maultiere, der Schimmel wurde emporgerissen, und in tollem Jagen ging es vorwärts. Das verängstigte Tier stürmte gegen den Wagen an, aber da war Charley schon neben ihm, und in schweren Schlägen sauste die Peitsche auf den Schimmel nieder. Er schreckte zusammen, machte einen jähen Satz zur Seite, wurde wieder fortgerissen durch den Strick, der ihm das Maul zusammenschnürte. Immer wieder wehrte er sich und immer wieder siegte der winzige Knoten über die riesige Kraft des Tieres.

Brenham lag hinter uns. Da und dort tauchten noch vereinzelte Holzhütten auf, auf einsamen sandigen Strecken. Dann kam Wald, dann kamen grüne Felderstrecken, dann wieder Sand, dann ging's durch einen Bach, daß das Wasser hoch aufspritzte. Der alte Mann stand hochaufgerichtet vorne im Wagen, die Pfeife zwischen den Zähnen, und peitschte auf die Maultiere ein; Charley galoppierte neben dem Schimmel her und drängte ihn vorwärts, wenn er sich sträuben wollte; ich war nach hinten geklettert und scheuchte mit fuchtelnden Armen und geschwungenem Hut das Pferd zurück, wenn es in seiner Angst auf den Wagen einstürmte. Ich war toll vor Aufregung, sah nichts, hörte nichts, hatte nur Augen für den Kampf mit der wilden Kreatur, die immer wieder zerrte und sich aufbäumte und fortgerissen wurde und mit weißem Schaum bedeckt war. Mir war, als seien nur Minuten vergangen, als wir vor einem Drahtzaun so jäh anhielten, daß ich gegen die Wand geschleudert wurde. Als ich heruntersprang, hatte Charley schon den langen Strick vom Wagen gelöst und um einen Baum geschlungen. Das weiße Pferd stand zitternd still und starrte uns aus erschreckten Augen an.

»Und das ist allright!« sagte Charley. »Ed, Sie haben geschrieen, als ob Sie am Spieße stäken!«

Inmitten des Drahtzauns waren Gebäude aus Holz; ein Wohnhaus mit einer breiten Veranda, Ställe, an einer Seite offen, in denen Pferde und Maultiere standen, ein paar Hütten. Ein Neger eilte herbei, öffnete ein Tor aus Rahmenwerk und Stacheldraht und führte den Wagen hinein. Eine alte Frau und zwei Mädchen kamen. Wir gingen ins Haus, setzten uns an einen Tisch in einem Zimmer, an dessen Wänden Gewehre und Lederzeug hingen, und aßen. Gekochten Speck gab es und Maisbrot und gebackene Süßkartoffeln, deren gelbes Fleisch genau so schmeckte wie Kastanien. Beim Essen wurde ausgemacht, daß ich alles frei haben sollte und fünfzehn Dollars im Monat.

Wir gingen in den Hof. Charley betrachtete nachdenklich den Schimmel, der an seinem Strick zerrte.