»Ich reit' ihn doch!« brummte er. »Eigentlich sollte er über Nacht an dem Baum angebunden bleiben und nichts zu fressen und nichts zu saufen bekommen. Dann wär' er morgen mürbe. Aber das ist eine Schinderei. Ich will ihn schon kriegen. Sie können mitreiten, wenn Sie wollen.«

Ob ich wollte!

Jim der Neger sattelte mir ein Pferd. Während ich aufsaß, warfen er und der alte Muchow dem Schimmel Leinen um die Füße und hielten sie straff gespannt. Das Tier konnte sich nicht rühren. Charley trat vorsichtig heran, legte ihm Decke und Sattel auf und schnürte die Gurte mit aller Kraft zusammen. Dann sprang er selbst auf. Die Leinen wurden losgelassen und der Strick um den Hals des Pferdes durch einen raschen Schnitt gelöst. Zitternd stand es da. Mit einem Male machte es einen gewaltigen Satz, drehte sich im Kreise, bockte, schüttelte sich. Aber der Reiter auf seinem Rücken saß fest. Ein schallender Peitschenhieb. Und das Tier brüllte auf und jagte davon – mein Pferd im Galopp hinterdrein.

Beim ersten Sprung wäre ich fast aus dem Sattel geschleudert worden, und ich hatte instinktiv mit beiden Fäusten in die Mähne gegriffen, ums liebe Leben zupackend. Bald aber fühlte ich, daß ich breit und sicher saß, merkte, daß das Pferd unter mir in ruhiger Stetigkeit galoppierte: spürte in meinen Beinmuskeln, wie es sich dehnte und streckte. Langsam beugte ich mich vor und drückte die Schenkel an. Da schoß Molly vorwärts, dem weißen Flecken mit dem schwarzen Punkt da vorne nach.

Holtergepolter ging's über den Sandboden, in Grasland hinein, über grüne Stauden hinweg, hinter dem weißen Flecken her, der größer und deutlicher wurde und jetzt wieder erkennbar war als Mann und Pferd.

Das Grün der Felder flog vorbei, Grasboden kam wieder, dann Sand. Da sah ich, daß der Mann vor mir sich mit aller Kraft in die Zügel legte, bis der Schimmel herumflog und verzweifelt aufbäumte, sich im Kreis drehend. Aber das harte Eisen in seinem Maul blieb erbarmungslos und – neue Schmach! – Sporen wurden ihm in die Seiten gestoßen, und Peitschenhiebe hagelten auf ihn nieder, Schlag auf Schlag …

Noch wehrte sich der Schimmel. Während ihn das Eisen im Maul und die Peitsche in großen Kreisen über den Sand trieb, duckte er mitten im Jagen zur Seite, ballte sich zusammen wie eine Katze und sprang in die Höhe. Der Sattelgurt hielt, der Mann blieb sitzen. Mehr Peitsche! Mehr Sporen! Immer enger wurden die Kreise, die Schleifen. Dreimal, viermal ging die tolle Jagd an mir vorbei. Mir schien es, als verlangsame sich das sinnlose Dahinschießen, als gebe sich das Pferd geschlagen. Aber das duldete der Mann auf seinem Rücken nicht. Unaufhörlich arbeitete seine Peitsche.

Da brach mit einemmal das Pferd mitten im Lauf zusammen. Der Reiter glitt leicht aus dem Sattel. Ich galoppierte hin. Da stand Charley zu dem Schimmel hinabgebückt, und das Tier wieherte leise und rieb die rosige Schnauze an seinem Ärmel und beschnupperte seine Hand. Mann und Pferd waren schweißbedeckt und schmutzüberzogen; dem Pferd zitterten die weißen Schaumflocken auf dem Leib – auf des Mannes Gesicht lag der Staub in dicker Kruste.

»Der Schimmel ist mein,« sagte Charley. »Texas Girl soll die Stute heißen, Texasmädel. Du bist ein gutes Pferd, Texasmädel, und ich denke, wir beide brauchen die Peitsche nicht mehr.«

Er stand auf, und der Schimmel folgte ihm wie ein Hündchen.