»Well, das ist eben das Narrentum!« brummte Allan McGrady.

»Oh nein,« sagte Jack Ferguson fast feierlich. »Es ist mehr. Es ist das kuriose Etwas, das den Soldaten vorwärtstreibt. Es ist jenes sonderbare Etwas, das hoch über Geld und Geldeswert steht — — —«

»Schrumm, schrumm,« sagte Allan McGrady. »Prosit Kinder!«

Das kuriose Etwas war die Begeisterung. In ihr wurde die Arbeit zum Spiel. Zum Sport. Man tat eigentlich nichts anderes den ganzen lieben Tag, als nach Arbeit zu suchen und sich der Arbeit zu freuen. Unser Vergnügen sogar hing sicherlich irgendwie mit der Zeitung zusammen. Wenn man im Reporterzimmer plauderte, unterhielt man sich über die neueste Wendung in den politischen Verhältnissen oder über den letzten Kriminalfall oder den schwebenden, noch nicht ganz aufgedeckten Spitzbubenstreich der Stadtväter San Franziskos. Es war einem eben zur Manie geworden, sich nur für das zu interessieren, was die Zeitung interessierte.


Zu all der Arbeit in den Babyzeiten kam noch besonderes technisches Lernen, das in sonderbarer Zufälligkeit meine nächste Zukunft stark beeinflussen sollte. Ich lernte telegraphieren. Die Examinerleute hatten damals die Marotte, die Sprache des Kupferdrahtes gründlich zu erlernen, denn das konnte für die Zeitung sehr wichtig sein. Unser Lehrmeister war ein liebenswürdiger amerikanischer Offizier, Oberleutnant Green, der Chef des militärischen Signaldienstes im Departement von Kalifornien. Drei, viermal in der Woche fuhren wir zum Presidio, dem Fort beim Goldenen Tor, und arbeiteten dort im Signalbureau, bald mit dem Leutnant selbst, bald mit Mr. Hastings, einem alten Signalkorpssergeanten.

Nach den ersten Lektionen schon fesselten mich die Geheimnisse der Teufelei elektrischen Stromes gewaltig. Der Mechanismus der Instrumente war zwar sehr einfach. Die Wechselwirkung zwischen Taster, Strom und Magnet hatte nichts besonders Wunderbares. Das mühselige Formen von Buchstaben durch Punkte und Striche schien zuerst sogar langweilig. Aber sobald ich eine gewisse Fertigkeit erreicht hatte, übte das Telegrapheninstrument eine ganz merkwürdige Lockung auf mich aus. Denn nun wurde aus den toten Punkten und Strichen lebendige Sprache.

Im Gegensatz zu der in Europa üblichen Art des Telegrammlesens vom Papierstreifen oder durch Druckmaschine liest der amerikanische Telegraphist fast nur durch Gehör. Das Klicken des Magneten spricht zu ihm. Er schreibt das Gehörte nieder wie nach Diktat. Er erreicht dabei eine Geschwindigkeit von durchschnittlich 30 Worten in der Minute, die sich bei Benutzung der Schreibmaschine auf vierzig, ja sogar fünfzig Worte steigern läßt. Mein Ohr gewöhnte sich sehr rasch an die Sprache des Telegraphen. Was zuerst ein mühsames Zählen der Punkte und Striche gewesen war, um die einzelnen Buchstaben herauszuhören, wurde bald zum Begeistertsein über eine neue, klare, deutliche Schrift. Ich hörte, wie ein Telegraphist das lernen muß, nicht mehr die einzelnen Buchstaben, sondern deutlich erklang das ganze Wort. Es war genau so wie Lesen lernen. Zuerst mußte man sich um den Buchstaben mühen, um dann später eine ganze Zeile in einem einzigen Bild in sich aufzunehmen. Ein kleines Beispiel:

Wenn ein Telegraphist mit einem andern sich über den Draht hinweg unterhält und lachen will, dann klickt er: ha — ha — ha. Im Morsealphabet sieht das so aus —