»Ich habe eine Idee!« sagte er endlich. Er ging zum Tisch, nahm ein Telegrammformular und schrieb: »Die hier fehlenden Wäschestücke habe ich mir aus Gesundheitsrücksichten für mich und meine Kameraden angeeignet. Der Eigentümer erhält Bezahlung von mir. Hastings, Signalsergeant.«

Dieses merkwürdige Schriftstück legte er in den Schrank an Stelle der fehlenden Pakete und schloß ihn sorgfältig wieder zu, nachdem wir uns ein jeder ausgesucht hatten, was wir brauchten.

»Die Sache ist allright!« meinte der alte Sergeant schmunzelnd. »Ohne den Fetzen Papier wär’s Plünderung — mit dem Fetzen Papier ist’s dienstliche Requisition.«

»Vielleicht gibt’s noch mehr zum Requirieren!« lachte ich.

Die dritte Türe barg einen Aktenschrank mit allerlei Formularen. Die vierte ging in einen großen Raum, der nur durch das Türoberlicht vom Bureau her erleuchtet wurde. Er war gänzlich kahl und leer. Nur an den Wänden standen Ballen mit zusammengeschnürten Papieren. Eine offene Tür gegenüber zeigte ein kleines Gemach mit allerlei Gerümpel und einem Herd in der Ecke. Helles Licht strömte aus einer hohen und breiten Oeffnung in der Mauer. Ausgetretene steinerne Stufen führten zu einem kleinen Hof hinab, versteckt und still und wundersam. Von maurischen Hufeisenbögen getragen, gestützt von schlanken weißen Säulen neigte sich ringsum weit in den Patio hinein der dachartige Vorsprung. Verträumtes Plätschern klang rieselnd in die Stille. Rankenversponnen waren die Wände, und da und dort leuchteten blaue und rote Blüten aus dem tiefen Grün. In der Mitte stand der Springbrunnen mit einem gewaltigen Löwen von sonderbar eckigen Formen, aus dessen Maul ein dünner Strahl in das marmorne Bassin fiel. Uebergroß, schwarzdunkel sah das Brunnenbild aus im kühlen, gedämpften Licht der untergehenden Sonne. Aus roten Ziegelsteinen war der Boden. Rechts und links guckten flache Dächerreihen über die Mauern herein, und gegenüber ragte eine graue Häuserwand mit kreuzweis vergitterten Fenstern empor.

»Es geht nicht,« brummte Souder kopfschüttelnd und sah zu den Fenstern hinauf. »Nee — es geht nicht!«

»Was geht nicht?« fragte ich.

»In den Springbrunnen da hineinzusteigen, wie ich es gern möchte. Die Kleider herunter und hinein in den Brunnen! Aber die ladies könnten’s übelnehmen ...«

Da guckte ich mir den Brunnen an, und in meiner Seele stieg ein großes Wünschen auf nach einem großen Bad. Aber während ich noch guckte, wurde drüben in der grauen Häuserwand ein Fensterladen ein wenig geöffnet, und ein Frauengesicht sah neugierig auf uns herab, sofort wieder verschwindend, als ich lustig hinaufwinkte. Nein, es ging wirklich nicht! Aber es fiel mir ein, daß ich in der Küche in einem Winkel eine Art Zuber gesehen hatte. Den holte ich und warf ihn in den Brunnen, und Souder und ich holten ihn zusammen heraus, wassergefüllt.

»Halleluja!« rief der alte Hastings. »Ihr müßt aber ja nicht glauben, daß die alte Badeanstalt euch beiden allein gehört. Vorwärts, marsch, hinein mit der Badewanne ins Zimmer ...«