»Sergeant Hastings!« begann der Brief. »Der Ueberbringer heißt Antonio und ist ein Spitzbube. Aber er kann ein bißchen Englisch und wird Ihnen alles besorgen, was Sie brauchen. Inliegend zwanzig Dollars. Sehen Sie Antonio auf die Finger! — Stevens.«

Antonio mochte ein Spitzbube sein, aber für uns war er ein Juwel. Er hatte einen Sack mitgebracht, den er nun in die Küche schleppte und ausleerte. Ich guckte, faselnackt noch immer, neugierig zu, wie aus dem Sack allerlei Bratpfannen und Töpfe rollten und allerlei Proviant in Armeeverpackung: Zucker, Salz, Mehl.

»Mich fein kochen!« erklärte Antonio stolz. »Mich überhaupt alles!!«

»Bueno!« nickte ich — kletterte in eine seidene Unterhose und schlüpfte, o Wonne über Wonne, in ein batistenes Hemd. Die ganze Welt hätte ich umarmen können, so glücklich kam ich mir vor, wenn ich auch merkwürdig müde war und alle Glieder mich schmerzten. Zunächst äußerte sich meine Glücksstimmung darin, daß ich Antonio einen Silberdollar schenkte, den er mit einer tiefen Verbeugung und einem»gracias, Señor« grinsend einsteckte. Wahrscheinlich hielt er mich für verrückt. Aber Antonio war diesen Silberdollar unter Brüdern wert und ganz gewiß auch die fünfzig Prozent Spitzbubentaxe, die er ohne Zweifel auf jeden Einkauf draufschlug.

Ein Juwel war er, ein Wunder, ein Genie, das im Augenblick die Situation erkannt und es instinktmäßig begriffen hatte, daß den telegraphistas die Silberstücke locker saßen, so man sich ihnen nur nützlich zu machen wußte. Und Antonio setzte in ganz unspanischer und unkubanischer Weise seinen Intellekt und seine Beine in rapide Bewegung. Er zog ein Rasiermesser und einen Streichriemen aus der Tasche, erklärte, daß er in friedlichen Zeiten Barbier sei, wenn es auch jetzt mit dem Geschäft sehr faul stehe, und hatte im Handumdrehen uns alle ausgezeichnet rasiert. Er kam und ging, verschwand und war wieder da. Er schleppte bauchige Flaschen herbei voll schweren Rotweins und viele Zigaretten und viele Zigarren — und wir priesen dankbar die Güte der Götter, die uns in ein Land geführt hatten, in dem man für wenige Dollars so viele schöne Dinge bekommen konnte. Er brachte uns Arme voll alpergatos zum Aussuchen, und wir steckten unsere Füße in die wonnige, weiche Tuchbekleidung, auf deren Stricksohlen es sich so leicht ging, und wunderten uns, daß die Dinger kaum einen halben Dollar kosteten. Er brachte Holz und brachte Kohlen und machte Feuer an im Küchenherd und zauberte Eier herbei und rupfte Hühner, die er gottweißwo aufgetrieben hatte — und wenn’s dem Herrgott in Frankreich gut gegangen ist, so ging es uns armen Signalisten besser noch im kubanischen Land.

Antonio war überall. Er hatte auch seine Frau herbeigezaubert, die fünfmal so dick war wie ihr Gatte. Sie briet jetzt Hühner und rührte Omelettes, während er, allgegenwärtig, Uniformen mit Benzin putzte und unsere Flanellhemden wusch und doch sofort mit einem Zündholz da war, wenn man sich eine frische Zigarette nahm.

Oh, es ging uns ausgezeichnet; wir hatten es über alle Maßen gut! Lümmelig saßen wir da auf den bequemen Stühlen, streckten unsere Beine lang aus auf die Telegraphentische und waren sehr zufrieden.

»Antonio, eine Zigarre!«

Antonio flog.

»Antonio — ein Zündholz!«