So ertrank Leutnant Hobson von der amerikanischen Marine in der Welle der Hysterie.
Im Sergeantenzelt türmten sich die Zeitungen. Sie lagen in Haufen in allen Ecken; sie stapelten sich in Ballen auf gegen die Zeltwand, da, wo mein Bett stand; sie bedeckten oft genug sogar den Fußboden, daß man so recht im knisterigen, raschelnden, dünnen Zeitungspapier watete. Die Kameraden schimpften.
»Du bist verrückt!« erklärte Souder.
»Werft ihn doch hinaus mitsamt seinen alten Zeitungen!« schlug Hastings gemütlich vor.
»Geht weg — geht doch weg — schert euch nur ja zum Kuckuck!« war gewöhnlich meine Antwort, brummend in knurrigem Ton gegeben, aber lachend gemeint.
Und doch wieder sehr ernsthaft. Die Mitbewohner des Zeltes wußten recht genau, daß es nicht erlaubt war, den Sergeanten Carlé beim Zeitungslesen zu stören (man mochte reden soviel man wollte, aber nicht mit ihm), oder gar auch nur eine einzige seiner kostbaren Zeitungen aus dem Zelt fortzunehmen, sofern man sich nicht Ungemütlichkeiten aussetzen wollte. So ließ man ihn gewähren. Wenn die New Yorker Invasion einen einmal nicht plagte, wurde Poker gespielt im Zelt, unglaublich viel und unglaublich hoch, denn männiglich hatte Geld in Menge und kein Mensch etwas zu tun, oder viel Bier getrunken, viel geplaudert, viel gelacht. Der Zeitungssergeant aber — so nannten sie mich — lag auf seinem Bett und las und las. Er war eben ein bißchen verrückt.
Das Zeitungsfieber hatte mich wieder gepackt.
Ich las und las. Spalte auf Spalte verschlang ich, und Stunde auf Stunde verrann. Für nichts hatte ich Sinn und alle Dinge waren mir gleichgültig seit dem Morgen, an dem die Post die bestellten Zeitungen gebracht hatte. Zwei gewaltige Pakete waren es gewesen. Alle Nummern des New York Journal und des New York Herald vom allerersten Beginn des Krieges bis zum heutigen Tag. Die Zeitungen des Krieges. Lückenlos. Und ich lag langgestreckt auf meinem Bett und kicherte selig, wenn in den Zeitungsspalten lustige Teufelchen der Uebertreibung tanzten, und atmete keuchend in heller Begeisterung, wenn ich die glänzenden Kriegsbilder las, die große Zeitungsmänner gemalt hatten. Murmelte in Gedanken wohl auch einmal irgend etwas vor mich hin.
»Er ist ohne Zweifel blödsinnig geworden!« behaupteten dann lachend die Sergeanten. Dabei stibitzten sie aber eifrig die Nummern, die ich gelesen hatte.