Sergeant Souder hatte die Depesche dem Kommandierenden gebracht. Eine Viertelstunde später stürmte ein Generalstabsoffizier herein, schloß vorsichtig die Türe und erklärte uns halblaut, daß derjenige um seinen Kopf rede, der auch nur den Namen Santiago de Cuba erwähnen würde. Als er gegangen war, sahen wir uns mit glänzenden Augen an, und der alte Sergeant Hastings ließ eisige Limonade bringen mit sehr viel Sodawasser und sehr wenig Sherry, denn er und wir alle wußten, daß jetzt harte Arbeit kam. Es dauerte auch nur Minuten, bis Oberst Green erschien und den telegraphischen Befehl an alle Hauptstationen gab: Draht nach Washington frei bis auf weitere Order! Damit war aller Privatverkehr und jeder amtliche Verkehr der Zwischenstationen ausgeschaltet. Eine Depesche konnte wenige Minuten nach Abgang von Tampa schon im Weißen Haus in Washington vom Präsidenten und vom Kriegsminister gelesen werden.
Während der nächsten zwanzig Stunden war das Telegraphenzimmer eine Hölle. Schweißtriefend saßen wir vor den Apparaten, uns jede halbe Stunde ablösend, und sandten und empfingen die endlosen Chiffretelegramme.
Die Würfel der Entscheidung waren im Rollen.
Shafters Armee sollte Santiago de Cuba angreifen. Wenn diese Festung fiel, war die spanische Flotte den vereinigten amerikanischen Streitkräften zu Wasser und zu Lande ausgeliefert.
Revolver umgeschnallt, den Krag-Jörgensen Karabiner zur Hand, Tornister neben uns, so arbeiteten wir bis zur letzten Minute, während die Armee sich einschiffte. Als die letzten gingen wir an Bord. Je zwei von uns waren auf ein Transportschiff zum Signaldienst während der Fahrt kommandiert worden. Den Namen meines Dampfers habe ich vergessen, das Schiff aber und seinen Kapitän nicht. Es war eines der kleinsten, vollbepackt mit Maultieren, die zum Lastentransport verwendet werden sollten; den einzigen Vierfüßlern der Invasionsarmee außer ganz wenigen Pferden für den Stab.
Die Pferde der Kavallerie mußten auf Shafters Befehl in Tampa zurückgelassen werden, weil unsere Kundschafter gemeldet hatten, daß Kavallerie in dem Kriegsgelände keine Verwendung finden könne. Teddy Roosevelt und seine Rauhen Reiter von Cowboys stellten sicherlich ein Kavallerieregiment dar, nach dem jeder Kavalleriegeneral sich die Finger geschleckt hätte, und ihren Weltruhm haben er und sein Regiment ehrlich und ernsthaft verdient. Aber komisch bleibt es doch, daß der berühmte Rauhe Reiter Name mit Gäulen so gar nichts zu tun hat. Als Infanteristen kämpften sie und fluchten sehr, weil der kurze Karabiner viel schlechter schoß als das Infanteriegewehr.
Sergeant Souder und ich kletterten über den schmalen Laufsteg an Bord unseres Dampfers und suchten, wie das selbstverständlich war, sofort den Kapitän auf. Während wir die Treppe zur Kommandobrücke hinaufstiegen, gellten die Dampfpfeifen, und die Transportflotte setzte sich in Bewegung.
»Runter mit euch!« schrie der Kapitän. »Hab keine Zeit! Auf der Kommandobrücke habt ihr überhaupt nichts zu suchen!«
»Ein nervöser Herr!« lächelte Souder, und wir stiegen wieder auf Deck.