»Langsamste Fahrt — Indiana — Ponton verloren — Kollisionsgefahr —«

»Teufel —« schrie der Kapitän, und gellend hallten seine schrillen Kommandos in die Nacht, den Ausguck zu verdreifachen, während der erste Offizier auf der Brücke den Befehl zum Abstoppen der Maschinen hinunterklingelte.

Lange Minuten des Harrens. Wir alle wußten, um was es sich handelte. Der Kreuzer Indiana schleppte einen ungeheuren Landungsponton aus schweren Balken, der zum Ausschiffen der Geschütze benützt werden sollte. Oft genug hatten wir über das ungefüge Anhängsel des Kriegsschiffes gelacht. In dem hohen Seegang war die Schlepptrosse gerissen, und irgendwo inmitten der Flotte trieb nun die Holzmasse des Pontons, mächtig genug, im Zusammenprall ein Schiff leck zu stoßen. Die Truppenschiffe kamen zum Stillstand, und die Torpedojäger und Depeschenboote sausten im Scheinwerferlicht umher, nach dem Durchgänger zu suchen. Die Minuten vergingen. Dann auf einmal wimmelte es wieder von Signalen: Dem Befehl zur Weiterfahrt. Man gab den Ponton verloren, froh genug, daß er schon weit hinten im Kielwasser schwimmen mußte und wenigstens keine Gefahr mehr bedeutete.


Frühmorgens kurz nach Sonnenaufgang am fünften Tag tauchte, ein gelbgrauer Streifen, die Küste Kubas auf. Wir rannten wie besessen nach unseren Kabinen, Waffen und Tornister auf die Brücke zu holen, um jeden Augenblick zur Ausschiffung bereit zu sein. Doch die Eile war sehr überflüssig. Noch achtundvierzig Stunden lang kreuzte die Flotte an der Santiagoküste, untertags so nahe, daß die hellen Sandstreifen und die dunklen Wäldermassen klar zu unterscheiden waren; in den Nächten weit draußen im Meer. Am dritten Tag aber in der Frühe dampfte die Schiffsmasse in nächste Nähe der Küste, die Kriegsschiffe weit voran. Immer näher kamen wir.

»Anker werfen! Transportschiffe in Kiellinie!« befahlen jetzt die Flaggen.

Auf den Kriegsschiffen aber wurde es lebendig. Bunte Wimpel stiegen an den Masten empor, nur der Marine verständlich. In ungeheuren Kreisen dampften die Linienschiffe und die Kreuzer, Schiff dicht hinter Schiff, die Küste entlang. Umruderten uns, um sich in Gefechtsstellung zu entwickeln, kehrten wieder zurück. In ganz langsamer Fahrt. Ich suchte mit dem Feldstecher den Strand ab. Glatt und ruhig spielte das Meer an der schmalen, gelben Sandlinie, von der Hügel mit dichtem Buschwerk aufstiegen bis an den Horizont. Im Vordergrund überspannte eine eiserne Brücke eine kleine Schlucht von grellgelbem Gestein. Ihr Gittergefüge sah sonderbar zierlich und gebrechlich aus und schien zu schwanken, zu zittern in der flimmernden Sonnenglut. Auf der Brücke stand ein Frachtwagen, hoch beladen mit Felsblöcken. Links daneben ragte aus dem Buschwerk ein winzig kleines Häuschen.

Kreis auf Kreis zogen die Kriegsschiffe.

Da — eine weiße Dampfwolke schoß aus einem großen Kreuzer, und ein furchtbares Krachen ließ mich zusammenfahren ...