Auf kubanischem Boden.

Die Küste wird bombardiert. — Theodore Roosevelt und seine Zahnbürste. — Die Landung. — Ein Tag ungeduldigen Fluchens. — Die Arbeit beginnt. — Tropenregen. — Meine Hängematte. — Nachtruhe à deux. — Hunger und Arbeit — aber ach, was waren das für schöne Zeiten! — Der Major stiehlt einen Karren. — Telegraphenbau-Arbeit. — Palmen und Kletterei. — Bei den toten Rauhen Reitern von La Quasina. — Im Insurgentenlager. — Der Mangobauch. — Der Jesus-Christus-General.

Dichter Rauch und greller Feuerschein quoll aus allen Kriegsschiffen. Ohrenbetäubend war das Krachen. Der Schiffsboden, auf dem ich stand, bebte und zitterte, trotzdem wir mehrere hundert Meter entfernt lagen. Schuß krachte auf Schuß. In das dumpfe Dröhnen der schweren Geschütze rasselte grell der hellere Klang der Schnellfeuerkanonen; wie grausiger Donnerschlag und hallendes Stahlklirren, als ob Riesenschmiede auf überirdischem Amboß hämmerten. Man konnte nicht denken — man mußte nur stehen und starren. Aus dem Dröhnen heraus gellte es schrill in scharfen Mißtönen; ein Surren, ein Zischen, ein Gebrause. Schuß — Schuß — Schuß — Dutzende, Hunderte von Explosionen ... Schuß — Schuß — — — und die Minuten wurden zu Ewigkeiten. Heulend jagten die Stahlmassen durch die Luft und stürzten sich auf den Sand und das Buschwerk da drüben, die so still dalagen wie ein wehrloses Ding, das ein Starker zu Boden geschlagen hat und nach Gefallen zerhämmert. Nichts regte sich. Nirgends war Bewegung an Land. Nur das Buschwerk duckte und zitterte und wand sich wie ein Getreidefeld im Hagelschauer unter dem Sturm von Geschossen. In ungeheuren Rissen zerfetzten die Granaten den Buschwald, und blanke Erdstreifen tauchten auf im schwarzen Busch, wenn Dampf und Staub der Explosionen verweht waren. Aeste wurden durch die Luft geschleudert. Erdmassen spritzten empor. Ueberall, an vielen Stellen zugleich.

Und dann wurde es mit einem Schlag still, und schwere Rauchschwaden, weiß und grau und fahlgelb, wälzten sich übers Meer, daß einem der beißende Pulvergeruch giftig und atembeklemmend in Augen und Lungen drang. An Land regte sich nichts.

Der kommandierende General signalisierte: »Befehle abwarten!«

Wir starrten und starrten, und auf einmal regte es sich auf dem Wasser. Die Dampfbarkassen der Kriegsschiffe schossen herbei, und Dutzende von Booten, in denen es von Waffen glitzerte, huschten dem Lande zu. Die landenden Truppen kamen alle von einem einzigen großen Transportschiff ... Souder sprang nach seiner Kabine und holte die Liste der Schiffe und Truppen.

»Roosevelt ist’s!« rief er. »Die Rauhen Reiter!«


So landete Theodore Roosevelt mit seinem Regiment als Erster auf kubanischem Boden. Er hatte es durchgesetzt, daß ihm die Ehre der Vorhut zugeteilt wurde. Man hat Roosevelt oft genug nachgesagt, daß er auch als Reiteroberst der praktische Politiker geblieben sei, der vortreffliche Regisseur, der sich und seine Leute geschickt in Szene zu setzen wußte mit vollberechneten Effekten. Sicherlich zu unrecht. Der Mann, der in sein Leben eine so gewaltige Fülle von Sehen und Schaffen und Erfolg hineindrängte, wie wenige Männer seiner Zeit, und einer der berühmtesten Präsidenten der Vereinigten Staaten werden sollte, ahnte damals gewiß nicht, daß jeder Schritt auf kubanischem Boden ihn dem Präsidentenstuhl näher brachte. Er lebte nur. Er lebte das tätige Leben. Er war mit Leib und Seele Soldat. Der Name der Rauhen Reiter, die erst für diesen Krieg angeworben waren, hatte in der Armee bereits Märchenklang. In Tampa schon waren sie berühmt geworden. Selbst die alten Regulären aus den Indianerkriegen hatten einen Heidenrespekt vor dem Regiment, das sich aus den besten Reitern und den sichersten Schützen des ganzen Landes zusammensetzte, den Cowboys, den westlichen Grenzern und — den Söhnen der amerikanischen Millionäre. Aber auch die mußten »Qualitäten« haben. Kein Mann wurde aufgenommen, der nicht vorzüglich ritt und besser schoß. Die jungen Millionäre warfen, und das schien den alten Regulären am märchenhaftesten, links und rechts mit Gold um sich, und wer in Tampa Tabak brauchte oder Durst hatte, der ging nur geruhig ins Rauhe Reiterlager. Ein sonderbares Regiment ... Um Roosevelt selbst kümmerte sich die Armee wenig. Berühmt machte ihn erst seine Zahnbürste!

Als er eingebootet wurde, schrie ihm sein Bursche nach: »Wie ist das mit Ihrem Gepäck, Herr Oberst?«