Dann wurde es mit einem Schlage still. Ueber den Hügeln drüben tauchte ein Lichtstreifen auf, wurde breiter, leuchtete heller, und froh und warm ergoß sich der Sonnenschein übers Tal. Bald loderten die Kaffeefeuer auf, und nasse Menschen umstanden sie in dichten Knäueln. Der Dunst trocknender Kleider stieg muffig empor und mischte sich mit den Bodengerüchen des tropischen Fieberlandes.
Major Stevens trat zu uns und verteilte aus einem Glasröhrchen Chininpillen.
Es war um Mittag, und die Sonne brannte glühendheiß aus wolkenlosem Himmel auf den Weg zum Wald hernieder, auf dem Souder und ich dahinschritten, schwer bepackt ein jeder mit Taschenapparat, Flaggen, Waffen, Tornister und Decke. Die südliche Station bei der Brigade Bates auf dem linken Flügel — das Ballondetachement legte die neue Linie — war uns beiden zugeteilt worden.
Still lag der breite Lehmweg zum Wald da. Zu beiden Seiten, im Gras und im lehmigen Schlamm, auf dem die Gluthitze schon harte Krusten gebildet hatte, lagen noch in Haufen die Decken, die Tornister, die Mäntel, verregnet und verschmutzt. Nicht weit vom Weg unter einem Baum streckte ein totes Maultier in grotesker Starrheit die vier Beine in die Höhe. Der furchtbar aufgedunsene Bauch des Tieres sah aus wie eine große braune Kugel. Schwacher Verwesungsgeruch drang herüber; kaum bemerkbar, wäre der Kadaver nicht zu sehen gewesen, aber doch schon unerträglich in der eklen, heißen, überfeuchten Hitze.
Von den Hügeln her hallte unregelmäßiges Gewehrfeuer.
Es hatte mit Tagesanbruch begonnen und ununterbrochen den ganzen Vormittag gedauert. Nur vereinzelte Schüsse waren es, mit langen Pausen oft und seltenem lebhafterem Geknatter. Aus den Meldungen des Vormittags wußten wir, daß es nur Feuer aus den Schützengräben war und wahrscheinlich hüben wie drüben wenig Schaden anrichtete.
»Sagen sich gegenseitig Guten Tag!« brummte Souder. »Machen ein bißchen Spektakel! U — iih — wie ist das heiß! An mir ist kein trockener Faden mehr —«
Im gleichen Augenblick duckte er sich, denn eine Kugel zischte in unangenehmer Nähe über unseren Köpfen dahin. Wir rissen beide die Karabiner von den Schultern und spähten links und rechts in den Wald hinein, Baum für Baum mit den Gläsern absuchend.
»Ich sehe nichts!« sagte der Sergeant leise. »Wo der Kerl nur stecken mag?«