Ganz langsam und klar kam es:

»General Bates. — Flottenmeldung. Das spanische Geschwader ist vernichtet. Cervera gefangen. Sämtliche feindlichen Schiffe sind zerstört. Die amerikanischen Geschwader haben weder Schiff noch Mann verloren. — Shafter.«

Wir starrten uns an und waren sekundenlang wie gelähmt von dem gewaltigen Eindruck der wenigen gewaltigen Worte. Dann riß der Sergeant das Telegrammformular an sich und sprang in mächtigen Sätzen zum Hügel, zum General, der kurz zuvor das Quartier verlassen und sich in die Schützengräben begeben hatte. Ich blieb im Zelt und wartete krampfhaft auf den nächsten Anruf. Aber der Klopfer rührte und regte sich nicht. Da erklang es leise wie fernes Brausen in dumpfem, undeutlichem Klang und doch machtvoll und stark, daß es einen im Innersten packte und klopfenden Herzens lauschen ließ. Lauter wurde der Schall und immer näher kam er. Und mit einem Male ergellte es droben auf unserem Hügel in furchtbar schrillendem Stimmenklang aus Tausenden von Männerkehlen in hellem Jubel — das wilde amerikanische Hurra, den Indianern abgelauscht in seinem schrillen Klang:

Ii — iii — iih ...

Urgewaltig. Furchtbar. Minutenlang dauerte das Gellen und das Gebrause. Der Siegesjubel der Männer in den Schützengräben. Ich stand vor dem Zelt und brüllte mit, wie betrunken, was Brust und Kehle nur hergeben wollten.


Die Einfahrt zum Hafen von Santiago de Cuba ist einer der schönsten Flecke der Welt. Ungeheure Felsenmassen ragen aus tiefblauem Meer in tiefblauen Himmel empor, steil abfallend, und spalten sich in winziger Enge, einem Meeresarm Durchlaß zu gewähren, so schmal, daß zwei große Seeschiffe nicht nebeneinander die Einfahrt wagen können. Es sieht aus, als hätte das Meer einst in Arbeit von Jahrhunderten seinen Weg hineinfressen müssen in die Felsen und sich die lange schmale Wasserstraße bahnen, die erst nach vier Seemeilen sich zu der gewaltigen Bucht weitet, an deren Ostrand Santiago de Cuba liegt. Droben auf den Felsen bei der Einfahrt klebt in schwindelnder Höhe ein uraltes, spanisches Festungswerk, das Castillo del Morro, mit altertümlichen Bastionen und Felsentreppen und verwitterten Mauern.

Jetzt dröhnten um Felsennest und alte Burg und blaues Meeresgestade seit Wochen schwere Schiffsgeschütze.

In der Bucht von Santiago hatte das spanische Geschwader des Admirals Cervera Anker geworfen und ergänzte krampfhaft seine Kohlenvorräte aus den kümmerlichen Hilfsmitteln der verlotterten spanischen Hafenverwaltung, während in den Maschinenräumen die Ingenieure fieberhaft klopften, hämmerten, reparierten. Draußen aber vor der Felsenenge lagen Tag und Nacht die Panzer des amerikanischen Geschwaders — wartend, lauernd — lauernd, wartend ... Denn jeden Augenblick konnte die spanische Flotte zwischen den Felsenwänden hervorbrechen. Noch war die Gespensterflotte eine ständige Drohung und eine stete Gefahr.